Buchleitner verspricht psychologische Betreuung von Betroffenen der Katastrophe am Kitzsteinhorn

Wien (SK) "Nach dem tragischen Seilbahnunglück am Kitzsteinhorn, bei dem nach bisherigen Erkenntnissen 159 Menschen ums Leben kamen, stellt sich die Frage, wie die Angehörigen ihren Schmerz verarbeiten können. Aber auch die Einsatzkräfte, die bei den Bergungsarbeiten mit extremen körperlichen und psychischen Belastungen konfrontiert sind, und die geschockte Bevölkerung am Unglücksort sind auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Das Sozial- und Gesundheitsressort des Landes ist auf derartige Fälle vorbereitet und kann sich in Zusammenarbeit mit dem sozialmedizinischen Dienst des Landes, dem Roten Kreuz und dem Kriseninterventionszentrum der Christian-Doppler-Klinik auf ein Betreuungsnetz stützen, an dem auch viele niedergelassene Fachleute beteiligt sind." Das erklärte Montag der Salzburger Landeshauptmann-Stellvertreter Gerhard Buchleitner bei einem Informationsgespräch mit dem Landesrettungskommandanten Gerhard Huber und dem Leiter des sozialmedizinischen Dienstes, Bernhard Hittenberger. ****

Der Sozial- und Gesundheitsreferent dankte zunächst dem Landesrettungskommandanten für den vorbildlichen Einsatz des Roten Kreuzes, der die Grenzen der Belastbarkeit bereits in vielen Fällen überschritten hat. 256 ehrenamtliche Helfer des Roten Kreuzes -darunter 25 Notärzte - waren an den Rettungs- und Bergungsarbeiten bisher beteiligt. "Unter den Opfern des Seilbahnunglücks befinden sich nach bisherigen Erkenntnissen 52 Österreicher/innen, darunter 17 aus dem Bundesland Salzburg, viele davon aus dem Pinzgau", gab Buchleitner bekannt.

Bereits gestern, Sonntag, 12. November 2000, waren 30 Psychologen, Psychiater und Psychotherapeuten vor Ort im Einsatz. "Diese Akutbetreuung wird ehrenamtlich geleistet", dankte Buchleitner den Betreuern. Unter ihnen befinden sich auch einige, die erst am Samstag an einem Fortbildungsseminar für derartige Unglücksfälle teilgenommen haben. In einem Lehrgang für Notfallpsychologie werden Fachkräfte seit längerem für derartige Einsätze geschult, die ein hohes Ausmaß an Einfühlungsvermögen und Krisenfestigkeit von den Betreuern verlangen.

"In der Akutbetreuung geht es zunächst darum, den Angehörigen in einer Situation der Ungewissheit beizustehen. Noch immer stehen die Namen der Opfer nicht mit hundertprozentiger Sicherheit fest, erst die gerichtsmedizinische Untersuchung wird darüber traurige Klarheit verschaffen", so Buchleitner.

"Einige Angehörige, die offensichtlich die Kraft haben, das Ereignis selbst zu verarbeiten, sind daher gestern Abend und heute früh abgereist. Sie werden persönlich und in geeigneter Form verständigt, wenn die Identifizierung abgeschlossen ist. Einige wurden vom Roten Kreuz nach Hause gebracht, weil es unverantwortlich gewesen wäre, sie angesichts der psychischen Belastung, in der sie sich befinden, mit dem eigenen Fahrzeug die Heimreise - teilweise bis nach Wien -antreten zu lassen. Mit Betreuungseinrichtungen in Oberösterreich und Bayern - wie dem Kriseninterventionszentrum München - wurde bereits Kontakt aufgenommen. Unter den Opfern befinden sich ja zahlreiche Deutsche und eine Gruppe aus Wels", sagte Buchleitner.

"Andere wollen noch vor Ort bleiben, bis Gewissheit über die Opfer besteht. Auch mit dem verständlichen, aber praktisch unerfüllbaren Wunsch, die Opfer zu sehen, muss sehr behutsam umgegangen werden."

Viele Angehörige aus anderen Staaten seien erst gestern in den Abendstunden am Unglücksort eingetroffen, eine Gruppe aus Japan werde heute erwartet. Für ihre psychologische Betreuung sei vorgesorgt. Die Koordination dieser Betreuer ist gestern von Dr. Christian Masoner an Dr. Reinhold Fartacek vom Kriseninterventionszentrum übergeben worden. Heute früh wurde ein Einsatzplan ausgearbeitet.

Dr. Fartacek habe um Verstärkung seines Teams gebeten, zwei weitere Psychologen des sozialmedizinischen Dienstes sind daher am Vormittag nach Kaprun gefahren, zwei weitere stehen auf Abruf bereit und können sofort eingesetzt werden, wenn in Kaprun oder im gesamten Landesgebiet ein akuter Bedarf besteht.

Von der Akutbetreuung erfasst seien selbstverständlich auch die Einsatzkräfte vor Ort, die unter entsetzlichen Bedingungen an der Bergung der Unglücksopfer arbeiten, und die Überlebenden der Katastrophe, die großteils noch unter Schock stehen.

Betroffenheit habe die Katastrophe natürlich auch bei der Bevölkerung von Kaprun und im gesamten Pinzgau ausgelöst. Der schulpsychologische Dienst sei bereits im Einsatz, gestern hat eine erste Runde mit Schülerinnen und Schülern aus Kaprun stattgefunden, die vom sozialmedizinischen Dienst begleitet wurde.

"Nach dem Schock der ersten Stunden und Tage wird es Aufgabe des Sozial- und Gesundheitsressorts sein, eine Langzeitbetreuung für jene Betroffenen zu organisieren, die nur schwer über das Unglück hinwegkommen. Diese Betreuung wendet sich an Angehörige, Überlebende der Katastrophe, die beteiligten Einsatzkräfte, aber auch an die Bevölkerung", berichtete Buchleitner.

In einem ersten Schritt wurde eine Liste von Psychotherapeuten im gesamten Bundesland und vor allem in den Gebirgsgauen erstellt, die für Langzeitbetreuungen zur Verfügung stehen. Viele haben sich bereit erklärt, in dieser Ausnahmesituation auf Honorare zu verzichten.

Für das psychologische Betreuungsnetz werden aber vom Sozial- und Gesundheitsressort - sofern notwendig - auf jeden Fall ausreichende Mittel bereitgestellt. "Finanzielle Fragen sind bei der Verarbeitung dieses größten Unglücks in der Geschichte Salzburgs absolut nachrangig. Es ist unsere selbstverständliche Pflicht, zu helfen", sagte Buchleitner. (Schluss) ns/mm

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