"Es kommt einem wie im Film vor"

Katastrophe am Kitzsteinhorn - Zeuge schildert das Unglück

Wien (OTS) - Der Oberösterreicher Gerhard Hanetseder aus Gallsbach schildert im Ö3-Interview die Katastrophe am Kitzsteinhorn, wie er seine Tochter gerettet hat und wie er das Unglück überlebte. Mit ihm sprach Ö3-Infochef Stefan Ströbitzer. ****

Gerhard Hanetseder:
"Das war so, ich bin in diesen Zug eingestiegen. Gemeinsam mit meiner Tochter, das Glück war, dass wir ganz hinten eingestiegen sind. Die Türen haben ganz normal geschlossen. Nach ein paar Sekunden hat ein Fahrgast dann, der ganz im Eck neben mir gestanden ist, gesagt: 'Da raucht es irgendwo'. Das haben wir in Wirklichkeit aber nicht ganz so ernst genommen. Dann sind wir in den Tunnel hineingefahren. Ich habe gesagt es leuchtet, es brennt ein kleines Feuer. Es war halt ein ganz ein kleines Feuer. Dann hat der Fahrgast versucht über sein Handy raus zu telefonieren, das ist natürlich im Tunnel nicht gegangen. Das war dann so, dass wir dann ca. nach einer Zeit im Tunnel stehengeblieben sind. Dann sind auf einmal durch die Wand die Dämpfe, der Rauch gekommen, Panik hat sich ausgebreitet. Wir haben dann krampfhaft versucht die Türen aufzumachen, die Panik ist immer größer geworden, inzwischen hat die ganze Kabine hinter uns gebrannt. Dann war es so, dass Du mutlos geworden bist - Du hast nicht raus können. Ich war mit meiner Tochter eingesperrt, durch Zufall haben ein paar Gäste die gemeinsam drinnen waren mit einem Skischuh oder mit einem Ski das Fenster seitlich eingeschlagen.
Ich hab dann scheinbar in letzter Minute jemanden rausklettern sehen und ich habe gedacht, das können wir auch und hab dann versucht in letzter Minute meine Tochter zu nehmen, sie ist nicht ganz durch gekommen, habe ihr noch einen kleinen Schupser gegeben, dann ist sie in diesen Schacht runter gefallen. Wie ich da raus gekommen bin, weiß ich auch nicht mehr, weil das Loch war in Wirklichkeit nicht so groß. Bin dann aber irgendwie raus gekommen und bin hinunter geflogen. Wir waren dann im Schacht, das Feuer hat sich ausgebreitet, wir sind in den Schacht runter gelaufen, es hat auf der Seite Stiegen gegeben, wir sind immer runter gelaufen, zum Stollenende."

Stefan Ströbitzer:
"Also, bis in die Talstation sind sie selbst und ohne Hilfe von jemanden Anderen, Feuerwehrleuten oder Rettungsleuten zurück gegangen?"

Hanetseder:
"Es ist uns ein Rettungsmann und ein Polizist engegen gekommen. Da waren wir aber schon ziemlich unten, die haben das in dieser Größe nicht gecheckt, weil zuerst hat man geglaubt,, da ist nur ein Stromausfall und es ist halt irgendwas passiert."

Ströbitzer:
"Sie und ihrer Tochter sind gänzlich unverletzt geblieben und sie mußten auch nicht ins Spittal?"

Hanetseder:
"Nein, wir waren im Spittal, meine Tochter ist ja ein paar Stiegen ruter gefallen."

Ströbitzer:
"Ist der Schacht in irgendeiner Weise beleutet gewesen?"

Hanetseder:
"Nein, es war stock dunkel."

Ströbitzer:
"Hat es im Wagon Anweisungen für sie durch den Zugsführer gegeben."

Hanetseder:
"Nein."

Ströbitzer:
"Hat man gewußt, was man tun sollte?"

Hanetseder:
"Nein."

Ströbitzer:
"Das heisst, alle Passagiere waren alle auf sich selbst gestellt?"

Hanetseder:
"Ja."

Ströbitzer:
"Und gebrannt hat es in der hinteren Kabine, die für den Fahrer reserviert ist, wenn die Gondel talwärts fährt?"

Hanetseder:
"Ja, genau."

Ströbitzer:
"Haben sie eine Idee was gebrannt haben könnte?"

Hanetseder:
"Nein, das sind alles Vermutungen und Spekulationen, es kam mir vor wie ein Schwel- Kabelbrand ,aber Idee hab ich keine."

Ströbitzer:
"Sie sind jetzt sicher erleichtert, man trauert aber mit den Opfern?"

Hanetseder:
"Es kommt einem so vor, als würdest Du daneben sitzen, man glaubt gar nicht, dass man da drinnen war - es kommt einem wie ein Film vor."

Ströbitzer:
"Sind sie mit Psychologen in Kontakt oder haben sie keine Hilfe bekommen?"

Hanetseder:
"Ich habe keine Hilfe bekommen, aber ich hab auch keine verlangt. Ich habe gewußt wir müssen so schnell wie möglich nach Hause. Das ist halt sehr unterschiedlich pro Mensch,der eine verkraftet das ganz schnell, ich kann nicht sagen
wie es morgen sein wird oder wie geht es meiner Tochter morgen geht. Momentan sind wir in einem guten Zusand."

Ströbitzer:
"Alles Gute."

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Tel.: 01/36069/19120

Ö3 Öffentlichkeitsarbeit

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | HOA/HOA