"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Schlüssel zur Trauer" (von Peter Nindler)

Ausgabe vom 13. 11. 2000¶

Innsbruck (OTS) - Das Unmögliche gibt es nicht. Aber es ist unfassbar, wenn es eintritt. Das Brandinferno in der Kapruner Gletscherbahn macht sprachlos und betroffen. Sprachlos, weil mehr als 150 Menschen in den Flammen umgekommen sind. Und weil bisher viele Fragen gestellt wurden, aber ebenso viele Antworten darauf fehlen. Technisches Gebrechen, menschliches Versagen, Fahrlässigkeit - die Experten tappen noch im Dunkeln.

Doch spätestens seit dem Grubenunglück von Lassing, der Lawinenkatastrophe von Galtür und dem Brand im Tauerntunnel musste auch Österreich lernen, Katastrophen zu bewältigen, mit ihnen umzugehen. Nach Lassing und mit Galtür setzte der Umdenkprozess ein, ein transparentes Krisenmanagement löste die Angst vor Information ab. Denn Information ist meist der erste, wenngleich schmerzhafteste Schlüssel zur beginnenden Trauerarbeit.

Doch der Schrecken hat ein zweites Gesicht. Modernste Technik ist nicht unfehlbar. Die Gletscherbahn wird als eine der modernsten in Europa bezeichnet, aber für die Eingeschlossenen gab es scheinbar kein Entrinnen. Vielleicht müsste man deshalb vorsichti ger mit Superlativen umgehen.

Es irritiert, wenn man achselzuckend vom Unvorhergesehenen spricht. An eine Brandkatastrophe wollte bei den diversen Bergeübungen erst gar niemand denken. Diese Anwort fällt mager aus und dürfte wohl zu einem Umdenken führen.

Nicht dass zusätzliche Sicherheitsstandards die Katastrophe vom Samstag verhindert hätten, aber vielleicht wären die Überlebenschancen in der Standseilbahn größer gewesen.

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