Pawlatschentheater

Mit der FP gehtÕs bergab oder ins Ungewisse
(Von Hans Köppl)

Thriller! So lautet die Schlagzeile, die der ãEconomistÒ dem amerikanischen Wahlkampf widmet. Ein Thriller, wie er allen Regeln gerecht wird, mit Verdächtigen, die kommen und gehen (Bewerber, die im Verlauf des Rennens ausschieden), einer Handlung mit Finten und Wendungen und einer bis zum Schluss wechselnden Führung. Am Ende dann spitzte sich alles bis auf wenige hundert Stimmen Differenz zu. Der Schluss auf der letzten Seite lässt immer noch eine Überraschung zu.
Alle Welt wartet mit angemessener Spannung auf die sich hinauszögernde Entscheidung, wer von den zwei Hauptfiguren dieses Thrillers am 20. Jänner kommenden Jahres den Amtseid ablegen wird. Kein Thriller, sondern ein Pawlatschentheater unterhält uns hier in Österreich. Im Unterschied zum amerikanischen Krimi ist der Handlungsfaden des alpenländischen Bühnenstücks noch unüberschaubar. Eine gewisse Spannung kann man der Situation ebenfalls nicht absprechen, denn auch hier stellt man sich die Frage, wer nächstes Jahr regiert. In den USA ist wenigstens die Alternative klar: eine Administration Bush oder eine Administration Gore. In Österreich ist alles offen, würde spätestens nach der Wiener Landtagswahl die schwarz-blaue Koalition platzen.
Realistisch betrachtet, dürfte es freilich so weit nicht kommen. Nur, der Mann, an dem alles hängt, Jörg Haider, gefällt sich in seinen öffentlichen Aussagen in zwiespältigen Andeutungen, lässt rätseln, wozu er urplötzlich einen Sonderparteitag einberuft, ob er seinen Kärntnern im Wort bleiben will oder ob ihn nicht doch der Hafer sticht und er wieder nach Wien zurückkehrt. Schwankt er in seinen Absichten oder steckt Kalkül dahinter? Ist Haider Realpolitiker oder ãirrlichternderÒ Polithasardeur?
Ins Spiel gebracht wird immer wieder der Begriff des ãLebenswerksÒ, den Aufbau der FP von einer Minipartei zur zweitstärksten parlamentarischen Kraft. Er werde dieses doch nicht vor die Hunde gehen lassen, entzaubert durch eine undankbare Regierungspolitik, angepatzt durch kriminelle Machenschaften einiger Mitglieder, glauben Beobachter. Vielleicht liegt gerade hier der Ansatz, der ein eher unspektakuläres Ende der gegenwärtigen Turbulenzen erwarten lässt.

Will Haider die FP als regierungsfähige Partei erhalten, bleibt ausschließlich die Option des Weiterverbleibs in der gegenwärtigen Koalition. In vorzeitigen Neuwahlen, die noch dazu von ihr vom Zaun gebrochen werden, kann die FP nur verlieren. Dabei verliert aber nicht nur die Freiheitliche Partei, sondern auch Haider selbst. Eine VP, die aus einer vorgezogenen Nationalratswahl möglicherweise als die stimmenstärkste Partei hervorgeht, wird einen zweiten Koalitionsversuch mit der FP nur dann unternehmen, wenn Haider dort nichts mehr zu sagen hat.

Die FP steht zweifellos an einer Wegscheide, wobei es in der einen Richtung bergab und in der anderen ins Ungewisse geht. Das sind nicht gerade erfreuliche Aussichten. Leider auch nicht für die Regierung. Und damit für das ganze Land.

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