"Kleine Zeitung" Kommentar: "Lebenslüge light" (von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 11.11.2000

Graz (OTS) - Man hätte die Worte, die der Kanzler fand, hingenommen, hätte er sie gegenüber dem Kärntner Grenzlandjahrbuch seines Regierungspartners gesprochen. Aber er sprach sie zur Jerusalem Post. Was er sagte: Light-Fassung der Lebenslüge dieses Landes. "Der souveräne österreichische Staat", so Wolfgang Schüssel, "war das erste Opfer des Naziregimes." Zwar hätten die Österreicher "moralische Verantwortung" für das Geschehen, dennoch seien sie "das erste Opfer der Nazis" gewesen. Denn: "Die Nazis nahmen Österreich mit Gewalt."

Mit Gewalt? Der Einmarsch der deutschen Truppen mag militärhistorisch eine Okkupation gewesen sein, aber eine, die auf blumengeschmückte offene Grenzbalken und Spalier stehende Massen stieß. "Voll des Dankes und des Jubels" sei die Bevölkerung gewesen, gab ein Gendarmeriechef im März 1938 zu Protokoll.

Die nationalsozialistische Landnahme geschah nicht von außen. Sie geschah von innen. Als die Truppen einmarschierten, war der Staat längst ausgehöhlt, seine Schaltstellen braun unterwandert.

Der Tisch war gedeckt.

Ein durchschnittlich sensibilisierter Mittelschüler weiß das.

Das der Kanzler da nicht mithält, schmerzt. ****

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