Saisonarbeit: Neue Jobsuche schon bei Dienstantritt von Jens Tschebull - Kommentar 11.11.2000

Wien (OTS) - Ein halbes Jahr lang durften wirtschaftlich
orientierte Österreicher hoffen, eine entscheidungsfreudige Regierung würde die politische Diskussion in sachliche Bahnen zwingen. Jetzt haben wir wieder den Salat hysterischer Personaldiskussionen und parteitaktischer Spielchen ohne Substanz. Dabei sollten etliche Probleme, die von der Regierung tabubrechend angefasst wurden, ausdiskutiert werden. Etwa die Grauzone zwischen Saisonarbeit und Arbeitslosenunterstützung: Hier haben sich die Segnungen des Arbeitslosengelds von der Hilfe in schwierigen Lebensabschnitten zu Fixposten einer Lebensform entwickelt, die finanziell abgefederte Arbeitslosigkeit als selbstverständlichen Teil des Jahresablaufs einkalkuliert. Ein Teil der Unternehmer und ihres Stammpersonals sind recht zufrieden damit: In auftragsschwachen Zeiten werden bewährte Arbeitskräfte auf Kosten der Allgemeinheit bis zum nächsten Saisonbeginn auf Eis gelegt. Bei Arbeitslosen mit "Wiedereinstellungszusage³ bemüht sich das AMS erst gar nicht um eine Stellenvermittlung. Sie wäre manchen Saisonarbeitslosen auch nicht Recht, da ihr Lebensrhythmus für diese stille Zeit im Jahr bereits auf Erholung, Familie und Nachbarschaftshilfe ausgerichtet ist. Durch den aktuellen Streit um die kurzfristige Sperre des Arbeitslosengelds bei einvernehmlicher Kündigung oder nach befristeten Arbeitsverhältnissen, kommt die Sache auf den Punkt: Arbeitslosigkeit nach Ende der Saison ist kein überraschender Schicksalsschlag, sondern ein vorhersehbares Ereignis. Daher müssten bei Beginn eines befristeten Dienstverhältnisses mit Hilfe des AMS nachweislich die Fühler nach einer neuen Tätigkeit ausgestreckt werden. Erst wenn diese vorausschauenden Bemühungen scheitern sollten, wäre ein Anspruch auf Arbeitslosengeld zu rechtfertigen. Als Nebenwirkung einer solchen Praxis müssten die Dienstgeber fürchten, ihr Saisonpersonal nicht mehr bis zur Reaktivierung auf Eis legen zu können, sondern sie an einen neuen Arbeitgeber zu verlieren. Um das zu verhindern, wären sie eher bereit, sich gemeinsam mit ihren Angestellten den Kopf über Ganzjahres-Arbeitszeitmodelle zu zerbrechen. Etwa durch den Einsatz bei Renovierungsarbeiten ausserhalb der Saison. Geldmangel führt immer zu neuen Ideen. (Schluss) JT

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