Van der Bellen: Nachhilfe in Geschichte für Professor Khol

Halbwahrheiten im Umgang mit Geschichte gerinnen zu Lüge

Wien (OTS) "Klubobmann Univ. Prof. Khol pflegt einen seltsamen Umgang mit historischen Dokumenten und Tatsachen. Er zitiert die Moskauer Deklaration, doch er zitiert sie nur halb. Nämlich jenen Teil der ihm ins Konzept paßt. Khol stellt damit die Geschichte einseitig und 'auf einem Auge blind' (Khol) dar. Und wer Wesentliches verschweigt, dessen Aussagen gerinnen zur Geschichtslüge", antwortet der Bundessprecher der Grünen, Prof. Alexander Van der Bellen, auf heutige Vorwürfe Khols. In der Moskauer Deklaration wird nämlich die Mitschuld Österreichs an den NS-Verbrechen ausdrücklich angesprochen, nur werde diese Passage in Österreich aus ideologischen Gründen bisher vor allem von konservativen Politikern bis heute immer verschwiegen, so Van der Bellen.

Als kleine Nachhilfe in Geschichte bietet Van der Bellen Khol zwei Zitate zum Nachlesen an:
"Schon in dieser antifaschistischen Phase (gemeint 46/47; Anm AvdB) wurde die Auffassung von Österreich als erstem Opfer des Nationalsozialismus vertreten, indem die entsprechende Passage aus der durchaus ausgewogenen Moskauer Deklaration der Alliierten 1943 einseitig hervorgekehrt und die Mitverantwortung der Österreicher für das NS-Regime und dessen Verbrechen ausgeblendet wurde." (Aus:
Wolfgang Neugebauer, Zur Problematik der NS-Vergangenheit Österreich, www.doew.at)

"Die Opfertheorie - Obschon die Auseinandersetzung mit der auf die Moskauer Deklaration von 1943 zurückgehenden Opfertheorie seit längerem von der zeitgeschichtlichen Forschung in Frage gestellt wurde, soll im Folgenden doch detaillierter auf deren Implikationen für das politische Handeln der Nachkriegszeit eingegangen werden. Diese im Hinblick auf die Staatsvertragsverhandlungen von außenpolitischen Opportunitätsüberlegungen diktierte These erfuhr entgegen dem Wissen der maßgeblichen Politiker um den tatsächlichen Sachverhalt rasch eine innenpolitische Verselbständigung. Mit Hilfe der 'Opfertheorie' erteilte die Zweite Republik nicht nur dem Staat Österreich die Generalabsolution, sondern auch der überwältigenden Mehrheit seiner Staatsbürger. (...)
Diese Weiterung der Opfertheorie zog letztlich die Marginalisierung der tatsächlichen NS-Opfer nach sich." (Aus: Brigitte Bailer, Der "antifaschistische Geist" der Nachkriegszeit, www.doew.at)

Soviel Nachhilfe zur "Umschreibung der Geschichte" (Khol). Wer wie Schüssel und Khol diese Halbwahrheiten weiter vertritt, leistet mit dieser Geschichtsauffassung der "Marginalisierung der tatsächlichen NS-Opfer" weiter Vorschub, kritisiert Van der Bellen.

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