"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Es ist nicht egal, wer siegt

Ausgabe vom 8.11.2000

Der teuerste Wahlkampf (48,1 Milliarden Schilling hat er verschlungen) ist geschlagen. Vergangene Nacht hat sich entschieden, wer für die nächsten Jahre der "mächtigste Mann" sein wird. George Bush oder Al Gore. Wie weit hat uns das zu interessieren? So viel wie ein nächtlicher Weltmeisterschafts-Boxkampf im Schwergewicht? So viel wie eine Show mit in jedem Fall glanzvollem Ausgang?

Mit der Wahl des US-Präsidenten werden nicht nur die Weichen für die USA gestellt. Das Beispiel und internationale Engagement der Leitdemokratie dieser Erde prägen zu einem Gutteil unser aller Leben mit. Deshalb ist es nicht egal, wer heute der Sieger ist. Und schon gar nicht egal für Europa.

Im Wahlkampf ist es deutlich geworden. Eine der zentralen Fragen war, ob die letzte verbliebene Supermacht sich weiterhin dem Schicksal der Welt verpflichtet wissen soll, oder nur noch dem eigenen. Gore steht für den globalen Denkansatz, Bush für den nationalen.

So problematisch das amerikanische Engagement für Frieden, Demokratie und Moral auch sein mag, ein Rückzug der USA, wie ihn Bush propagiert, hinterließe selbst in Teilen Europas (Balkan) ein Vakuum. Wer soll und könnte die Verantwortung übernehmen, die die Amerikaner bisher aus ihrem Selbstverständnis heraus getragen haben? Und würden die USA nicht selbst zu einem anderen Land werden (zu welchem?), wenn sie sich zwar zu ihrer Macht, aber nicht mehr zu ihrer Verantwortung bekennen? - Es ist nicht egal, wer heute Sieger ist.

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