"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Zweite Wahl" (von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 06.11..2000

Schwarzach (OTS) - Zweite Wahl

Mit sechswöchiger Zeitverzögerung zeigen die steirischen Landtagswahlen doch auch Auswirkungen auf die Vorarlberger Landespolitik: Hubert Gorbach muss sich nach dem Abgang von Michael Schmid entscheiden, ob er Infrastrukturminister wird oder im Ländle bleibt. Er ist um diese Entscheidung nicht zu beneiden. Einerseits kann wohl kein Zweifel bestehen, dass er es besser machen würde als der in jeder Beziehung völlig überforderte Schmid. Andererseits ist der Posten eines FP-Ministers eine Position, die schnell zum Schleudersitz werden kann. Auch dem wohlwollendsten Befürworter einer schwarz-blauen Koalition muss in den letzten Tagen klar geworden sein, dass mit der desolaten und in letzter Verzweiflung wild um sich schlagenden Bundes-FPÖ derzeit kein Staat zu machen ist. Ein Absprung in vorzeitige Neuwahlen wird mit jedem Tag wahrscheinlicher, an dem neue katastophale Umfragewerte der FPÖ und weitere Details des Bespitzelungsskandals bekannt werden, in den vorwiegend blaue Funktionäre verwickelt scheinen. Dann aber gibt es kein Fangnetz für Hubert Gorbach: Er könne allzu leicht schon in wenigen Monaten ohne Ministersessel in Wien und ohne politische Funktion in Vorarlberg dastehen. Wie immer sich der Vorarlberger Landesstatthalter auch entscheiden mag oder bereits entschieden hat: Die FPÖ wird jedenfalls neuerlich mit dem Makel leben müssen, einen Ministerposten die "zweite Wahl" sitzen zu haben. Gorbach hat aus verständlichen Gründen schon mehrfach glaubhaft erklärt, seine Funktionen als Parteichef und Landesstatthalter in Vorarlberg seien ihm derzeit wichtiger als ein Ministeramt. Geht er nach Wien, ist das für ihn nur die zweitliebste Alternative. Bliebe er aber im Ländle, obwohl ihn die Bundes-FPÖ braucht, würde das aus dem berufenen Munde eines Vize-Parteichafs wohl alles über den Zustand der Partei sagen.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Vorarlberger Nachrichten
Chefredaktion
Tel.: 05572/501 DW 204

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PVN/OTS