"Dezember, 1-31", ein preisgekrönter Tagebuchfilm in 3sat

Wien (OTS) - Zum Auftakt der diesjährigen 24. Duisburger Filmwoche zeigt 3sat am Sonntag, dem 5. November 2000, um 22.00 Uhr den Preisträgerfilm des Vorjahres, der 1999 mit dem 3sat-Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet wurde. Im 3sat-Studio spricht Dietrich Leder, Kunsthochschule für Medien, Köln, im Anschluss um 23.35 Uhr mit dem Filmemacher Jan Peters über die filmische Realisierung seiner unsentimentalen Trauerarbeit.

Der Filmemacher Jan Peters hat im Dezember 1997 täglich eine dreiminütige Rolle Film belichtet. Aus diesen einunddreißig chronologisch montierten Rollen entstand der Tagebuchfilm "Dezember, 1-31". Der zusätzlich aufgezeichnete oder direkt in die laufende Kamera gesprochene Kommentar bricht jeweils mit dem Ende einer Rolle abrupt ab, fast wie bei einem Filmriss, einunddreißig Mal. "Dezember, 1-31" ist ein Tagebuchfilm, dessen radikal-subjektiver Ansatz sich die Freiheit zum Assoziieren nimmt: Jan Peters Bilder- und Sprachlawine verknüpft souverän biografische Anekdoten, banale Beobachtungen und philosophische Reflexionen. Solange er die Dinge bei ihrem Namen nennen kann, glaubt Jan Peters, offenbart sich ihr Bezug zu seinem Leben letztlich von selbst. Der Bruch, über den hinweg er diesen Bezug herstellen muss, ist der Tod seines besten Freundes.

Die Arbeit an "Dezember, 1-31" ist eine selbstironische, manische, unterhaltsame, konsequente und auch komische Trauerarbeit, die mit dem Schmerz über die Unmöglichkeit der Gleichzeitigkeit des Todes und des Lebens beginnt und weitergeht mit Versuchen, zum toten Freund Kontakt zu halten. Die Suche nach Zeichen, Signalen und Botschaften in einer alltäglichen Umwelt führt den Filmemacher unter anderem auf die Dächer von Paris, zu einem Radioteleskop in Nancay, ins Internet, zu einer Geisterbeschwörung und schließlich in die französischen Alpen.

Jan Peters zu seinem Film: "Der Tod meines besten Freundes hat mich ziemlich aus der Bahn geworfen. Denn mir erscheint der Tod undenkbar:
Das Nichts zu denken, das ist wie diese lästige Fiebertraum-Denkschleife, die ich als Kind einmal hatte: Dass man, wenn man denkt, dass man nichts denkt, ja schon denkt und zwar, dass man nichts denkt, und so weiter ... Also, ich möchte nicht behaupten, dass das Fieber, das ich da als Kind hatte, von dieser Idee gekommen wäre. Ich hatte erst das Fieber, dann diese Idee und beides zusammen war wie ein Alptraum, aus dem ich nicht aufwachen konnte."

Jan Peters wurde 1966 in Hannover geboren und war 1994 Mitbegründer des Filmemacherkollektivs Abbildungszentrum. "Dezember, 1-31" ist nach dem mehrfach ausgezeichneten "November, 1-30" sein zweiter langer Tagebuchfilm. In der Begründung der Jury heißt es zu "Dezember, 1-31": "Im gegenwärtigen Dokumentarfilm gibt es eine Konjunktur des Privaten. Jan Peters verarbeitet in 'Dezember, 1-31' die Trauer um einen verstorbenen Freund mit den Möglichkeiten des Home-Movies. Er öffnet aber mit großem Temperament die Form des Tagebuchfilms und erfindet den Dokumentarfilm neu als fröhliche Wissenschaft vom Tod und dem Leben danach."

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