Kommentar - WirtschaftsBlatt -

"Ring frei zur Geldvernichtung" von Arno Maierbrugger

Wien (OTS) - Nun ist es also soweit. Schlag neun Uhr eröffnet heute, Donnerstag, die Gladiatorenarena zur UMTS-Versteigerung. Mal sehen, wie lange die Nerven reichen. Wenn man den beteiligten Unternehmen glauben kann, soll es nämlich ein hartes Match werden. Denn Absprachen oder zumindest ein augenzwinkerndes, gleichgesinntes Miteinander beim gerechten Aufteilen der Frequenzen - das soll alles nicht vorkommen. Absprachen? Wir doch nicht. Eine Kollusion (Verabredung)? Wo denken Sie hin? Wie auch immer. Einen Batzen Geld wird jede einzelne Lizenz auf jeden Fall kosten, ganz zu schweigen vom notwendigen Netzwerk. Die Deutschen, die locker 900 Milliarden Schilling für die UMTS-Lizenzen über den Tisch geschoben haben (der Fonds zur Zwangsarbeiterentschädigung füllt sich nebenbei mit weit mehr Gejammer), haben einen Mordskater. Das Spiegel-Magazin analysierte süffisant: Viag-Chef Max Ardelt wurde erst nach tagelanger Klausur in seinem Büro bewusst, dass er nun täglich mehrere Millionen Mark allein an Zinsen zurückzahlen muss. Da hätte er gleich jedem Deutschen einen neuen Fernseher kaufen können. Vor ein paar Monaten war es in der Branche gleichbedeutend, vor der drohenden Uneinbringlichkeit der UMTS-Kosten zu warnen oder eine Schwarze Messe im Petersdom zu zelebrieren. Im allgemeinen Taumel des "Mobile Internet" gingen die besonnenen Stimmen unter, die vor Kurzschlusshandlungen warnten. Jetzt schalten in Europa selbst die willfährigsten Banken auf stur und bewilligen keine Kreditlinien mehr im eigenen Überlebensinteresse. Und die hauseigenen Businessplaner der angehenden UMTS-Anbieter sind mit ihrem Latein am Ende. Um ein UMTS-Angebot in den ersten Jahren sinnvoll zu refinanzieren, sind umgerechnet zwischen 30.000 und 50.000 Schilling Jahresgebühr beim Kunden fällig. Dass diesen Betrag für ein System, von dem man noch nicht wirklich genau weiss, was es kann, aus heutiger Sicht niemand zu zahlen bereit ist, versteht sich von selbst. Auch Journalisten sind mitunter verwirrt. So präsentierte ein rosa Blatt am Dienstag ein und dieselbe UMTS-Studie einmal unter dem Titel UMTS für Österreicher noch ein Zauberwort", fünf Seiten weiter dann unter "Jeder zweite Österreicher weiss Bescheid". Da soll sich noch jemand auskennen. (Schluss) amb

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