"Kleine Zeitung" Kommentar: "Spitzeltradition" (von Johannes Kübeck)

Ausgabe vom 30.10.2000

Graz (OTS) - Geradezu historische Dimensionen sind angesichts der derzeitigen Spitzelaffäre aufzuzeigen. Denn was heute die Exekutive in ein schiefes Licht bringt, nämlich Spitzeldienste für wen auch immer geleistet zu haben, gehörte in Wahrheit von Anbeginn an zu den Kernaufgaben der Polizei.

Denn immer schon haben die Mächtigen die Gedanken und Pläne der Aufmüpfigen frühzeitig zu erkennen gewünscht. Die Zünfte wurden bespitzelt, ob sie ihre Freiheiten nicht zu weit trieben, Fremde wurden ausspioniert, ob sie nicht böse Spione seien. Die Freimaurer übten, um nicht bespitzelt zu werden, ihr Gewerbe gar von vorn herein im Geheimen aus.

Geradezu sprichwörtlich wurde die Spitzelei unter Staatskanzler Metternich. Nach den bürgerlichen Revolutionären mussten sich später auch die Begründer des Sozialismus und der Arbeiterbewegung der Polizeimethoden erwehren. Feinbild-fixiert war die polizeiliche Spitzelei im Ständestaat, Menschen verachtend in der Nazizeit.

Diese Vergangenheit sollte aber nicht dazu missbraucht werden, die Gegenwart zu verharmlosen. ****

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