Schwedischer Forstbetrieb: Streit um FSC-Zertifikat

Industrieforstunternehmen Korsnäs wegen Entlassung von Forstarbeitern kritisiert

Wien, 24. Oktober 2000 (AIZ). - Einen Streit über die sozialen Kriterien des FSC-Zertifikats für nachhaltige Waldbewirtschaftung hat der schwedische Industriekonzern Korsnäs ausgelöst. Bekanntlich wird das - unter anderem vom WWF propagierte und vom Forest Stewardship Council (FSC) getragene - Gütezeichen an Forstbetriebe vergeben, wenn sie bestimmte nachhaltige und soziale Kriterien einhalten. Korsnäs hat 1997 als erster schwedischer Industrieforstbetrieb dieses FSC-Zertifikat erhalten und sich verpflichtet, neben ökologischen Kriterien auch die sozialen Nachhaltigkeits-Anforderungen zu erfüllen. Seit einiger Zeit liegt das Unternehmen mit den Arbeitnehmervertretern im Streit, weil Forstarbeiter im großen Stil gekündigt wurden. Die massiven Gewerkschaftsproteste führten zu Nachforschungen durch die FSC-Zertifizierungsstelle SGS. Trotz des ungelösten Arbeitskonfliktes erhielt Korsnäs nunmehr eine Verlängerung des FSC-Zertifikats. Die Gewerkschaft will sich nun an das FSC-Hauptquartier in Mexiko wenden. ****

Über diesen Arbeitskonflikt und über die soziale Kompetenz des FSC wurde und wird in schwedischen Medien heftig diskutiert. Immerhin zählt der Industriekonzern Korsnäs mit Sitz in Gävle, nördlich von Stockholm, (Hauptproduktionszweige: Schnittholz, Papier, Verpackung) mit 665.000 ha zu den größten schwedischen Waldbesitzern. Anfang dieses Jahres wurden zahlreiche Forstarbeiter gekündigt, sie sollten als Einmann-Unternehmer oder als Angestellte von Schlägerungsfirmen später wieder für Korsnäs arbeiten. Der FSC-Gewerkschaftsmann Inge Johansson prangerte diese Vorgangsweise als Verletzung der FSC-Regeln an. Die Arbeitnehmervertreter monierten, dass das großflächige Outsourcing gegen die FSC-Regeln der "sicheren und langfristigen Arbeitsplätze" verstoße.

Das FSC-Zertifizierungsunternehmen SGS führte Nachforschungen durch und forderte Korsnäs zu einer dreimonatigen Nachdenkpause auf. Die Kündigungswelle sollte gestoppt und neue Lösungen angedacht werden. Die bereits Entlassenen sollten die Möglichkeit eines Wiedereintritts erhalten. SGS steckte insofern in einem Dilemma, da der Systemwechsel zu selbstständigen Unternehmen nicht grundsätzlich gegen FSC-Regeln verstieß, andererseits aber die wirtschaftliche Notwendigkeit zu diesem Schritt nicht klar erkennbar war und eine Erhöhung der Arbeitslosigkeit in der Region befürchtet wurde. Obwohl dieser Arbeitskonflikt noch nicht gelöst war, erhielt Korsnäs im September eine Verlängerung des FSC-Zertifikats für weitere drei Jahre zugesprochen.

Damit war für Johansson, der sich für die FSC-Zertifizierung in Schweden besonders engagiert hat, die Vertrauensbasis zu SGS zerstört. Wenn SGS der Meinung sei, Korsnäs erfülle die sozialen Kriterien für das FSC-Zertifikat, dann müsse er sich an das FSC-Hauptquartier in Mexiko wenden, betont er.
(Schluss) kam

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