Vier Jahre Nationalpark und noch immer in Gefahr

WWF fordert Stopp von Großprojekten an der Donau

Wien (OTS) - Der geplante Ausbau der Schifffahrtsrinne, der Donau-Oder-Elbe-Kanal, die sechste Wiener Donaubrücke und ein Hafenprojekt in der Slowakei gefährden den Nationalpark. Das bilanziert der WWF anläßlich des 4. Geburtstages des Nationalpark Donau-Auen am 26. Oktober und erwartet Schützenhilfe für das Schutzgebiet von den Nationalpark-Partnern. Mag. Markus Schneidergruber, Flußexperte des WWF: "Bundesminister Wilhelm Molterer, Landeshauptmann Erwin Pröll und Bürgermeister Michael Häupl sind aufgerufen, zu diesen Projekten klar Stellung zu beziehen und ihre schützende Hand über den Nationalpark zu halten." Weiters kritisiert der WWF die mangelnde Umsetzung von Naturschutz im Wiener Anteil am Nationalpark.

Gefahr von unten Unter dem Titel "Flussbauliches Gesamtprokjekt" plant die Wasserstraßendirektion (WSD) in der Donau zwischen Wien und Bratislava den Bau einer Schifffahrtrinne von 120 Metern Breite und 3,20 Metern Tiefe. Abgesehen von schwerwiegenden ökologischen Bedenken ist das Projekt auch verkehrstechnisch unsinnig: Östlich von Wien besteht keinerlei internationale Verpflichtung, die Donau über 2,50 Metern Tiefe auszubauen. Fließstrecken oberhalb, wie etwa die Wachau, und unterhalb werden eine Tiefe von 3,20 Metern niemals erreichen. WWF-Experte Schneidergruber: "3,20 Meter wären ein ökologisch gefährliches Experiment mit unabschätzbaren Folgen für das Leben in der Donau und ihrer Au. Aber es wäre auch eine reine Verschwendung von Geld, das besser für die Gewässervernetzung im Nationalpark verwendet werden könnte".

Gefahr von oben Das Projekt einer sechsten Wiener Donaubrücke und damit einer Autobahn durch den Wiener Teil des Nationalparks wird vom WWF ebenso scharf kritisiert wie die Planungen für den Donau-Oder-Elbe-Kanal. Beide Projekte gefährden die ökologische Funktionsfähigkeit des Schutzgebietes und beide Projekte sind auch verkehrspolitisch abzulehnen. Schneidergruber: "Niederösterreich und Wien müssen endlich klar Stellung beziehen und durch einen Austritt aus dem Betreiberverein Donau-Oder-Elbe ein klares Zeichen für den Naturschutz setzen".

Gefahr von außen In der Slowakei gefährden Ausbaupläne für einen Hafen im Bereich der Marchmündung nicht nur ein örtliches Naturschutzgebiet, sondern auch das komplexe Auensystem an Donau und March und somit unseren Nationalpark. Mit massiven negativen Auswirkungen auf Geschiebe- und Wasserhaushalt ist zu rechnen. Der WWF ruft Bund, Wien und Niederösterreich auf, sich außenpolitisch für eine internationale Umweltverträglichkeitsprüfung unter Beteiligung Österreichs einzusetzen.

Gefahr von innen "Außen hui, innen pfui" bilanziert der WWF vier Jahre Nationalparkpolitik der Bundeshauptstadt. Während Niederösterreich einen vorbildlichen Managementplan für die nächsten 10 Jahre erstellt hat, werden in Wien die verschiedensten Interessen Jahr für Jahr neu verhandelt. Dabei bleibt der Naturschutzgedanke oftmals auf der Strecke. So konnte der Arbeiterfischereiverband durchsetzen, in der kommenden Saison Gewässer in der Lobau mit mehr Zuchtkarpfen denn je besetzen zu dürfen. In der Jagdregelung fehlen Wildruhegebiete, Wildfütterungen werden nach wie vor durchgeführt. Und auch im Waldmanagement der Magistratsabteilung 49 der Stadt Wien scheint der Naturschutz zu kurz zu kommen. Schneidergruber: "Es ist zumindest sehr auffällig, dass 1999 im kleinen Wiener Anteil am Nationalpark "aus Gründen der Sicherheit" rund 100 alte Bäume fallen mußten, im weitaus größeren Anteil Niederösterreichs nur fünf". Der WWF fordert daher für die im kommenden Jahr vorgeschriebene Evaluierung des Nationalparks auch eine Bewertung der Kooperation und Beiträge beider Bundesländer, der Integration beider Forstverwaltungen in die Naturschutzarbeit und der Effizienz der Nationalparkverwaltungen.

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