Wirtschaftsblatt-Kommentar über UMTS - Las Vegas auf der Ringstrasse von Arno Maierbrugger

Ausgabe vom 24.10.2000

Wien (OTS) - Ab 2. November geht es in den Wiener Ringstrassen Galerien hoch her. Vertreter von sechs Telekom-Gesellschaften werden wie wild ihre Mousepads bearbeiten, um beim teuersten Computerspiel Österreichs den grossen Coup zu landen: die Ersteigerung einer UMTS-Lizenz. Eine Spezialsoftware wird den Teams täglich ausser Sonntag von morgens bis abends viel abverlangen. Ein falscher Click, und die Lizenz könnte verspielt sein. Ein Click zu viel, und sie kostet ein paar Milliarden mehr. So viel zur nervlichen Anspannung der bedauernswerten Zeitgenossen, die sogar am Gang zum Klo gefilmt werden, ob sie sich ja nicht mit ihren Kontrahenten absprechen. Richtiges Las Vegas-Feeling wird sich aber nicht einstellen. Denn die Umfeldbedingungen der Auktion sind derzeit nicht besonders rosig. Der eine Unsicherheitsfaktor ist die zeitgleich startende Zeichnungsfrist der Telekom Austria-Aktie, ein Prüfstein für die derzeitige Stimmung am österreichischen Telekommunikationsmarkt. Und der andere Wermutstropfen ist die sinkende Begeisterung der Telekom-Konzerne, sich auf ein weiteres teures UMTS-Abenteuer einzulassen: Wie sich in Italien zeigte, liegen die Nerven längst blank, mit dem Ergebnis, dass die Auktion nach nur zwei Bietertagen im Chaos endete und abgebrochen wurde. In Österreich dürfte es eher gemächlich werden. Die vier heimischen Anbieter werden sich in ruhigen Schritten ihren Lizenzen entgegensteigern, für Nervosität sorgt nur die spanische Telefönica, über deren Pläne bis jetzt noch wenig durchgesickert ist. Die Hongkonger Hutchison dürfte ihre ersteigerte Lizenz an France Telecom abtreten, der momentan durch ein langwieriges Schiedsgerichtsverfahren wegen der Beteiligung ihrer Tochter Orange an Connect Austria/one die Hände gebunden sind. Allzu hoch werden die Erträge der Auktion also nicht liegen. Beobachter rechnen mit einem "kurzen Prozess", auch wenn Telekom Control-Chef Heinrich Otruba ganz gerne einen wochenlangen Milliarden-Schlagabtausch moderieren möchte. Das Finanzministerium hat die Mindestsumme von knapp zehn Milliarden sicher im Säckel, die inoffizielle Budgetierung mit zwölf Milliarden aus den Lizenzerlösen hält aber einen vorsichtigen Respektabstand zu sonst kolportierten Summen. Zum Las Vegas-Jackpot wird es jedenfalls nicht kommen. (Schluss) amb

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftsblatt
Redaktionstel.: (01) 91919-305

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB/OTS