OVS007: 54. Van Swieten-Kongress 2 Pressegespräch: 54. Van Swieten-Kongress "Molekulare Medizin und Gentechnik - Was ist heute schon Alltag?"

Früherkennung von Lungenkrebs aus dem Sputum mittels genetischer Marker von Univ. Prof.Dr. Michael-Rolf Müller, Abteilung für Herz-Thoraxchirurgie der Universität Wien Lungenkrebs verursacht weltweit die meisten Krebstodesfälle bei Männern und Frauen. In den Vereinigten Staaten erkrankten daran 1997 etwa 178100 Menschen. Obwohl andere bösartige Erkrankungen wesentlich häufiger auftreten - wie beispielsweise Prostatakrebs beim Mann und Brustkrebs bei der Frau - so sterben weitaus die meisten Patienten an bösartigen Erkrankungen der Lunge. Das Bronchialkarzinom ist eine potentiell heilbare Erkrankung, obwohl 87% der Erkrankten daran sterben und nur 13% dauerhaft geheilt werden können. Die chirurgische Behandlung bietet die bei weitem beste Chance auf Heilung, allerdings wird bei der Mehrheit der Patienten die Erkrankungen zu spät entdeckt, um diese Möglichkeit zu nützen.

Die einzige Chance auf dauerhafte Heilung von Lungenkrebs ist die Entdeckung der Erkrankung in einem frühen Stadium. Das Bronchialkarzinom bleibt für viele Jahre ohne klinische Symptome und wird erst in einem späten Stadium klinisch auffällig. Das erklärt, warum etwa zwei Drittel der Fälle eines Bronchialkarzinoms zum Zeitpunkt der Entdeckung bereits inoperabel sind. Nur ein Drittel aller Patienten mit Lungenkrebs können deshalb dem Chirurgen vorgestellt werden und nur ein Drittel dieser Patientengruppe hat eine realistische Aussicht auf Heilung. Diese Zahlen machen deutlich, warum die zuvor erwähnte Fünfjahres-Überlebensrate dieser Erkrankung mit derzeit 13% so schlecht ist. Es ist enttäuschend, dass in den vergangenen 20 Jahren in diesem Zusammenhang praktisch keine Verbesserung erzielt werden konnte, obwohl mit den Möglichkeiten der modernen chirurgischen Techniken und der "high tech" Medizin alles möglich und machbar scheint.

Aus dieser Sicht kommt der Krebs-Früherkennung gerade beim Lungenkrebs besondere Bedeutung zu. Für andere häufige Krebsarten, wie Brustkrebs, Dickdarmkrebs und Prostatakrebs konnten eigene Screeningprogramme (Mammographie, Haemoccult-Test, PSA Test...) etabliert werden und haben jeweils zu einer deutlichen Verbesserung der Heilungsaussichten geführt. Für das Bronchialkarzinom wurden in der Vergangenheit verschiedene Screening-Methoden auf ihre Sensitivität und Spezifität für den Zweck einer Krebs-Früherkennung untersucht. Erste Ansätze eines Massen-Screenings wurden 1980 unternommen, die Kosten-Nutzen-Rechnung war aber sehr ungünstig.

Ein nächster Schritt bezog nur einen kleinen Teil der Bevölkerung mit einem hohen Risikoprofil in ähnliche Programme ein, wobei röntgenologische (Lungenröntgen und CT) und endoskopische (Bronchoskopie mit bronchioalveolärer Lavage und Sputumzytologie) Methoden verwendet wurden. Die letzten Ergebnisse kamen vom sogenannten "Early Lung Action Project", in dem 1000 symptomfreie starke Raucher mittels Niederdosis-CT untersucht wurden. In 233 Fällen wurden sogenannte nichtverkalkte Rundherde gefunden, wobei im konventionellen Röntgen nur 68 entdeckt wurden. Ein bösartiger Prozess wurde bei 27 Personen mittels CT und bei 7 Personen mittels Lungenröntgen entdeckt. Von den 27 Fällen waren 26 operabel! Dieser Umstand demonstriert sehr klar die Bedeutung von Screening-Programmen, wobei gerade im Falle des Bronchialkarzinoms solche Projekte sehr kostenintensiv und daher auch politisch schwierig zu implementieren sind.

Das bedeutet, dass es trotz engagierter und gross angelegter Projekte heute immer noch kein Screeningprogramm für die Krebsart gibt, an der weltweit die meisten Menschen versterben.

Unser Ziel ist die Entwicklung eines sicheren, einfachen und billigen Tests für diesen Zweck. Röntgenverfahren haben sich in diesem Zusammenhang als zu teuer und/oder zu wenig treffsicher erwiesen. Die Gewinnung und mikroskopische Untersuchung von Alveolarepithelzellen (Oberflächenzellen aus den tiefen Anteilen der Lunge) aus dem Sputum (morgendlicher Auswurf) ist ein bereits erprobtes Verfahren, die Aussagekraft hängt aber sehr wesentlich von der Qualität der Probe ab. Es ist uns in einem ersten Schritt gelungen, ein Verfahren zu entwickeln, bei dem die Patienten nach einer kurzen Lernphase repräsentatives Sputum mit ausreichend Epithelien aus der Peripherie der Lunge (Lungenbläschen) produzieren. Die Treffsicherheit des Testes war in einer ersten Untersuchungsserie sehr erfreulich. Patienten mit bislang nicht abgeklärten Lungenrundherden, bei denen meist zuvor bereits andere Versuche einer Gewebsgewinnung fehlgeschlagen waren, wurden entsprechend kurz unterrichtet und lieferten das gesammelte Sputum für die Untersuchung ab. Bei allen Patienten mit Krebserkrankungen konnte auf diese Weise bereits vor der Operation die korrekte Diagnose gestellt werden, auch wenn zuvor andere Methoden kein schlüssiges Ergebnis erbracht hatten.

In einem nächsten Schritt wird nun mittels molekularbiologischer (genetischer) Tests aus dem so gewonnenen Sputum eine verfeinerte Diagnostik versucht. Man weiss, dass Lungenkrebszellen ganz typische genetische Defekte aufweisen, die in fast 100% nachweisbar sind. Aber schon vor Entwicklung einer manifesten Krebsgeschwulst sind ganz spezifische genetische Veränderungen in den Lungenzellen nachweisbar und stellen eine Art Vorstufe zum Krebs dar. Diese genetischen Veränderungen sind mit modernen Markierungsmethoden sichtbar zu machen. Diese Technologie ist die Grundlage für ein Verfahren, dass bei besonderer Treffsicherheit prinzipiell automatisierbar und relativ billig wäre. Neben der eindeutigen Diagnose von Lungenkrebs könnten mit diesem Test auch Patienten mit hohem Risiko für die Entwicklung einer bösartigen Erkrankung rechtzeitig erkannt und entsprechende Massnahmen eingeleitet werden. Die Aussage des Verfahrens liesse sich bildhaft mit den Farben einer Verkehrsampel vergleichen: grünes Licht bei gesunden Genen in der Lunge, gelb bei ersten Gendefekten und erhöhtem Krebsrisiko und rot bei bereits sicherem Krebs, auch wenn dieser röntgenologisch noch nicht sichtbar ist.

(Fortsetzung)

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