"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Angst im Nacken" (von Günther Schröder)

Ausgabe vom 23. 10. 2000

Innsbruck (OTS) - Sie durfte nicht einmal ihr Gesicht wahren und selbst gehen. Elisabeth Sickl, von Anfang an in ihrem Ministeramt überfordert, wurde die Ablöse per Telefon mitgeteilt. Auch die Nachrede war nicht die beste. FPÖ-Obfrau Riess-Passer setzte,

auf Sickl angesprochen, zur Lobrede für deren Nachfolger Haupt an. Dass der übrigens der erste Frauenminister dieser Republik wird, geriet dabei in den Hintergrund.

Sickls Ablöse zeigt gleiche mehrere Dilemmas der FPÖ. Wie dünn muss die Personaldecke dieser Partei sein, dass die von Sozialpolitik völlig unbeleckte Kärntnerin nach Wien in eines der schwierigsten Ministerien geschickt wurde? Wenigstens auf dieser Eben e wurde mit dem bisherigen Spozialsprecher Herbert Haupt ein Insider gefunden. Doch der musste quasi mit der Brechstange ins Amt befördert werden, so wenig Lust hatte er darauf.

So richtig die Personalrochade ist: Im Verein mit den Neuwahldrohungen Jörg Haiders, seinen skandalösen Aussagen am Freitag beim Wiener Quasi-Wahl"kampf"auftakt ("Beseitigung") und der Unfähigkeit, die völlig zerstrittene steirische Landesgruppe ohne Bra chialgewalt zu befrieden, zeigt sie vor allem eines: Der FPÖ sitzt die Angst im Nacken. Und das zurecht, Woche für Woche werden katastrophalere Umfragen veröffentlicht. Der Wähler verzeiht den leichtfertigen Umgang mit Wahlversprechen offenbar gerade der FPÖ nicht.

Bis nach der Wiener Wahl, die im Frühjahr 2001 über die Bühne gehen dürfte, wird nicht nur die ÖVP, sondern werden vor allem die Österreicher gute Nerven brauchen. Denn verliert die FPÖ auch hier, dann steht diese Koalition wohl vor dem Ende.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung,
Chefredaktion,
Tel.: 0512/5354 DW 601¶

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT/OTS