"profil": Neue NS-Sammelklage gegen österreichische Unternehmen

Jüdische Opfer fordern Entschädigungen für Arisierungen und Zwangsarbeit - Muzicant über Klage infornmiert - rechnet mit weiteren Klagen - "volles Verständnis"

Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, haben jüdische Holocaust-Opfer am vergangenen Freitag eine neue Sammelklage gegen die Republik Österreich und eine Reihe österreichischer Unternehmen eingebracht. Die Kläger, darunter auch Gerda Feldsberg, Tochter des früheren Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, werden von Rechtsanwalt Jay R. Fialkoff von der New Yorker Kanzlei Moses & Singer vertreten.

In dem 44-seitigen Schriftsatz fordern die Opfer laut "profil" im wesentlichen Entschädigung für die Arisierung von Wohnungen und Vermögenswerten, aber auch für Zwangsarbeit. Betroffen sind neben der Republik Österreich Unternehmen wie VA-Stahl, VA Technologie, Böhler-Uddeholm, OMV, Steyr, Uniqa und Raiffeisen Zentralbank. US-Anwalt Jay R. Fialkoff: "Niemand hat bisher die Interessen österreichischer jüdischer Opfer und ihrer Nachkommen vor Gericht vertreten. Wir wollen einen fairen Ausgleich für das Leid, das unseren Mandanten zugefügt wurde."

Der Zeitpunkt der Klage sei nicht zufällig gewählt, schreibt "profil". Am Dienstag dieser Woche soll in Wien das bilaterale Abkommen zur Regelung der Zwangsarbeiter-Frage unterzeichnet werden. Österreich verpflichtet sich darin auch, Verhandlungen über die Restitution geraubten jüdischen Vermögens aufzunehmen. Die Republik hat Entschädigungen in der Höhe insgesamt von 150 Millionen US-Dollar angeboten. Anwalt Fialkoff: "Dieses Abkommen verspricht wieder einmal nur, dass man über geraubtes jüdisches Vermögen verhandeln wird. Das verspricht man in Ihrem Land mittlerweile seit 60 Jahren." Die von Österreich gebotenen 150 Mio. US-Dollar seien "ein Armutszeugnis".

Ariel Muzicant, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, gegenüber "profil": "Ich weiß von weiteren Kanzleien, die neue Klagen betreiben. Ich habe immer gesagt, ich stehe dafür nicht zur Verfügung, aber ich leite das weiter, ich kann die Leute ja nicht daran hindern."

Er selbst stehe Klagen zwar grundsätzlich ablehnend gegenüber, könne die Motivation der Kläger allerdings nachvollziehen. Muzicant: "Wenn ich mir die Haltung der österreichischen Regierungen der vergangenen fünfzig Jahre anschaue, habe ich vollstes Verständnis."

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