"Treffpunkt Kultur" am Montag, dem 23. Oktober

Wien (OTS) - Barbara Rett präsentiert in "Treffpunkt Kultur" live aus dem ORF-Zentrum am 23. Oktober 2000, um 22.30 Uhr in ORF 2 unter anderem folgende Beiträge:

Dem "Dritten Mann" auf der Spur: Mit Orson Welles’ Witwe in den Orkus von Wien. Wien, eine Trümmerstadt, ein labyrinthischer Orkus - und über allem dreht sich das Riesenrad. Als Harry Lime in "Der Dritte Mann" hat Orson Welles bei Millionen von Amerikanern ein unauslöschliches Wien-Bild geprägt. Viele Jahre später kehrte er in die Stadt zurück, um mit ihrem Image zu spielen: Wien ist die internationale Drehscheibe der Spionage und zum Beweis wird auch prompt die "schönste Frau der Stadt" entführt - Senta Berger. "Orson Welles’ Vienna" ist ein Fundstück aus dem Nachlass des Kino-genies, dem die Viennale eine Retrospektive widmet. 1968 begann Welles für den US-Sender CBS ein TV-Special zu drehen, in dem er europäische Schauplätze vorstellen sollte. Seine Mitwirkung an einer Nixon-Satire brachte die Finanzierung des Projekts zu Fall, das er dann auf eigene Faust zu einem autobiografischen Essay umgestaltete. Oja Kodar, langjährige Lebensgefährtin und Nachlassverwalterin von Welles, ist Gast auf der Viennale. Für "Treffpunkt Kultur" begibt sie sich auf die Spuren des "D+-"Dritten Mannes".

Die Enthüllung: Wiens Mahnmal auf dem Judenplatz. Als Simon Wiesenthal 1994 in einem Brief an den Wiener Bürgermeister die Errichtung eines Mahnmals zum Gedenken an 65.000 von den Nazis ermordeten österreichischen Juden anregte, schaltete die Kulturpolitik schnell: Der Judenplatz wurde als Standort fixiert, die Britin Rachel Whiteread ging mit ihrem Projekt einstimmig als Siegerin eines Wettbewerbs hervor. Sechs Jahre, eine Anrainer-Protestbewegung und aufreibende Standortdiskussionen innerhalb der jüdischen Gemeinde später, ist es nun so weit: Am Tag vor dem Nationalfeiertag wird Whitereads Betonkubus - er stellt eine nach außen gekehrte Bibliothek dar - feierlich enthüllt. An das Mahnmal angegliedert ist ein multimediales Museum im benachbarten Misrachi-Haus. In einem EDV-gestützten Holocaust-Archiv lassen sich Namen und Daten der Naziopfer recherchieren. Eine digitale Schau führt ins alte jüdische Wien. Über einen unterirdischen Gang gelangt man zu den Ausgrabungen unter dem Judenplatz, wo die Reste einer mittelalterlichen Synagoge freigelegt wurden. "Treffpunkt Kultur" führt in das neue Museum und rollt die - vor allem durch Querelen und Nachdenkpausen geprägte -Entstehungsgeschichte des Mahnmals auf.

Was ein Mahnmal im öffentlichen Bewusstsein tatsächlich bewirken kann und soll, ist Thema einer Live-Diskussion im Studio. Barbara Rett erwartet dazu die Autorin und Filmemacherin Ruth Beckermann sowie E. Randol Schoenberg, US-Anwalt im Restitutionsstreit um mutmaßlich "arisierte" Klimt-Gemälde.

Peter und der Fuchs: Kinder-Offensive in Staatsoper und Burgtheater. "Beim zweiten Stern rechts und dann immer geradeaus bis morgen" - der ewig grüne Junge Peter Pan ist im Anflug auf die Staatsoper, während Reineke Fuchs durch das Burgtheater streifen wird. Mit einer Großoffensive für junge Menschen wollen die Bundestheater den Altersschnitt ihres Publikums drastisch senken. Nach dem Vorjahrserfolg des "Traumfresserchens" im Zelt auf dem Staatsoperndach hat sich Direktor Ioan Holender nun entschlossen, Kinder ins große Haus zu holen. "Peter Pan" setzt zur Musik von "Traumfresserchen"-Komponist Wilfried Hiller zu Höhenflügen an. August Everdings Inszenierung wurde aus München übernommen und mit Publikumslieblingen wie Angelika Kirchschlager in der Titelpartie, Ildiko Raimondi und Hans Peter Kammerer hochkarätig besetzt. Premiere ist am Sonntag, dem 22. Oktober. Gleich vis-à-vis der Staatsoper setzt die Aktion Opera Akzente: Während Erwachsene im Haus am Ring etwa den Klängen der Zauberflöte lauschen, lernt deren Nachwuchs das Werk im Herbert von Karajan-Centrum spielerisch kennen. Im Burgtheater inszeniert Michael Bogdanov für Menschen ab acht Jahren Goethes 1793 entstandene Gedicht "Reineke Fuchs" als Märchen in zwölf Gesängen. Peter Matic leiht sein sonores Timbre dem Erzähler. Premiere ist am Freitag, dem 20. Oktober. "Treffpunkt Kultur" bittet Regisseure und Stars zum Interview.

Die ganze Welt ist Seifenoper: US-Komödie "Nurse Betty" über Schein und Sein im Fernsehen. Schicksal im Schleudergang, Liebe weichgespült: In sogenannten Soap-Operas schillert die ganze Welt wie eine Seifenblase. Das Publikum schätzt die mit allen Laugen gewaschenen Serien-Protagonisten nicht zuletzt deshalb, weil sie verlässlicher als jeder Freund regelmäßig im Wohnzimmer aufkreuzen. Wie sich die Fernsehrealität in die Wirklichkeit drängen kann, schildert sarkastisch die Kinokomödie "Nurse Betty" von Amerikas Regie-Zyniker Neil LaBute. Als Kellnerin Betty tagträumt sich Renée Zellweger in eine Spitalssaga und macht sich auf, ihren angebeteten Gott in Weiß glücklich zu machen. Wie sehr das Publikum Fiktion für Fakten nimmt, weiß Serienhotelier Klaus Wildbolz aus ureigenster Erfahrung. Im "Treffpunkt Kultur"-Interview spricht er über enttäuschte TV-Touristen, die sich vergebens um ein Zimmer im Schlosshotel Orth bemühen, und über seine Etikettierung als Serienstar.

Studiogast Beni Schmid: Der Geigenvirtuose jazzt live. Als "Beni Schmid feat. Ray Anderson" bringt er demnächst gemeinsam mit dem US-Posaunisten Salzburg zum Swingen. Als hoch seriöser Benjamin Schmid entlockt er dem Klassik-Publikum derzeit vor allem mit seinem hymnisch rezensierten Bach-Ysaye-Zyklus Begeisterungsstürme. Der 32-jährige Salzburger Geiger debütierte schon als Teenager bei den Salzburger Festspielen. Mit 28 Jahren war er Österreichs jüngster Professor. Live in "Treffpunkt Kultur" gibt er eine Kostprobe seiner Virtuosität als Jazzer. Am 1. November ist er beim Salzburger Jazzfest zu Gast.

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