"Neue Zeit" Kommentar: "Hetzjagd" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 20. 10. 2000

Graz (OTS) - Die steirische FPÖ zerbricht nach ihrem Debakel bei der Landtagswahl an einer Frau, die die Parteibasis nie haben wollte. Theresia Zierler, Erfindung der obersten Parteiführung unter Jörg Haider und Michael Schmid, hat innerhalb von knapp vier Monaten aus einer weitgehend funktionierenden Partei einen Scherbenhaufen gemacht. Wie die Parteispitzen unter Obfrau Susanne Riess-Passer, Peter Westenthaler und Schmid in der Krisensitzung nach dem freien Fall bei der Landtagswahl jede Konsequenz verhinderten, auf der von ihnen erfundenen Retorten-Politikerin Zierler als Landesrätin beharrten und über die Basis ohne Abstimmung drüberfuhren, brachte das Fass zum Überlaufen. Als Erster zog gestern Harald Fischl die Konsequenzen und legte alle Funktionen in der FPÖ bis hin zu seinem Nationalratsmandat zurück. Jener Harald Fischl, der als Spitzenkandidat bei der Nationalratswahl die steirische FPÖ auf 29 Prozent gebracht hatte, die Zierler heuer bei der Landtagswahl auf 12,5 Prozent minimierte. Als eine Begründung für seinen Schritt nennt Fischl die "Hetzjagd" auf Magda Jost-Bleckmann, die übrigens ebenfalls nahe dran ist, hinzuschmeißen. Die von Fischl zitierte "Hetzjagd" wird selbst der bis zuletzt loyalen Ex-Landesrätin zuviel. In der Niederlage zeigt sich das Gesicht der FPÖ noch viel deutlicher als im Erfolg: Wie diese Partei mit Menschen umgeht, wie sie alle demokratischen Spielregeln über Bord wirft, wie sie Fühungsqualität permanent mit Führerqualität verwechselt.

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