Digitaldruck-Markt steht vor radikalem Umbruch / Die Pioniere des Digitaldrucks stehen vor dem Scheitern / Milliardenmärkte

Mainz (ots) - Frisst die Print-Revolution ihre Kinder? Anbieter
wie Xerox, Xeikon oder Indigo, die sich mit ihren Innovationen im Digitaldruckbereich anschickten, das Drucken von Grund auf zu verändern, haben ernsthafte wirtschaftliche Probleme. Millionenverluste, Aktienkurse auf Niedrigstniveau, Entlassungen und Umstrukturierungen in den Unternehmen sind die Folge. Und das Neugeschäft stagniert. Dagegen behaupten sich die klassischen Anbieter der grafischen Industrie, die anscheinend die Digitaltechnik besser in den Griff bekommen.

Das Gutenberg-Festjahr zu Ehren des Erfinders und Druckers wird nicht allen in guter Erinnerung bleiben. Der fast 20 Milliarden-Dollar umsatzstarke Xerox-Konzern erwartet für das 3. Quartal ein Minus von bis zu 20 Cent pro Aktie. Der Kurs sank von 64 Dollar Anfang 1999 auf nahezu 10 Dollar im Oktober. Tausende Mitarbeiter verlieren ihren Job. Der Kurs von Xerox-Partner Xeikon hat nach über 22 Dollar im Februar ein Rekordtief von 9,5 Dollar erreicht. Die Verkäufe stagnieren durch schwaches OEM-Geschäft. Indigo versucht durch eine weitreichende strategische Allianz mit Hewlett-Packard Terrain gutzumachen, Indigos Kurs hat einen Tiefpunkt von 5 Dollar pro Aktie erreicht. Anscheinend gelingt es diesen Firmen nicht, dem Markt ihre Drucktechnologien auf breiter Ebene näher zu bringen.

"Die meisten Hersteller von Digitaldrucklösungen sind viel zu technikfokussiert und nicht marktorientiert genug. Gewinnen kann aber nur, wer den Kunden und seine Anforderungen in den Mittelpunkt stellt", urteilt Branchen- und Digitaldruck-Experte Andreas Weber vom Columnum Büro Mainz. Die Hersteller haben euphorisch auf neue lukrative Milliardenmärkte gehofft und ihre Strategie vorwiegend auf Verdrängungswettbewerb und die Konfrontation mit den klassischen Druckverfahren gestützt. Unterschätzt wurde aber, dass gerade die marktführende Technologie des Offsetdrucks enorme technische Optimierungsmöglichkeiten durch die Digitaltechnologie erfahren konnte. Computer-to-Print und Direct Imaging-Verfahren zur Bebilderung der Druckform in der Druckmaschine haben neue Leistungs-und Kosteneinsparungspotentiale gebracht. Eine Broschüre kann heute zu den gleichen Kosten im Offset-Vierfarbdruck produziert werden wie vor wenigen Jahren in Schwarzweiss.

Digitaldruckanwender bemängeln vor allem die ungenügende technische Stabilität und das schlechte Kosten-Leistungsverhältnis der Digital-Farddrucksysteme der ersten Generation. Die Folge: "Am Markt ist man skeptisch, weil die installierten Drucksysteme nicht genug Profit abwerfen. Viele, die gekauft haben, wollen ihr Equipment am liebsten wieder los werden", erläutert Weber. US-Marktforscher bestätigen das - und weisen wie Dataquest-Analyst Peter Grant auf drastische Veränderungen hin. Hersteller, die heute in die zweite Generation von Digitaldruck einsteigen, haben aus den Fehlern der Vorgänger gelernt, so das Fazit. Grant verweist auf Heidelberg Digital, Inc., die Xerox bei Großkunden wie der Copy-Shop-Kette Kinko's oder Sir Speedy aus dem Rennen warf.

Dieser Konkurrenz aus dem High-end-Druckbereich stehen Anbieter wie Hewlett-Packard gegenüber, die ihr Know-how beim Netzwerkdrucken sowie Inkjet- und Laserprintern ausweiten und professionelle Lösungen anbieten wollen. Hewlett Packard sieht für den Digitaldruck ein explodierendes Marktvolumen, das von 25 Milliarden Dollar auf 100 Milliarden Dollar vor allem durch neue Servicekonzepte wie "Distribute and Print" steigen soll. Der Offsetmarktführer Heidelberg hat mit seinem Geschäftsbereich Heidelberg Digital aufgeschlossen und dem Konkurrenten Xerox im Schwarzweiss-Bereich mit den neuen Digimaster-Systemen innerhalb eines Jahres über 30 % Marktanteil beim Neuverkauf abgerungen. Die Produktionszahlen von Heidelberg Digital liegen derzeit bei über 1000 Einheiten pro Jahr und sollen weiter steigen. Mit dem Kodak-Joint Venture NexPress steigt Heidelberg in den Markt für Farb-Digitaldruck ein. Die NexPress-Systeme zeichnen sich durch Stabilität, Flexibität, Effizienz und Wartungsfreundlichkeit aus, die den Digitaldruck für die Druckindustrie zum attraktiven Geschäftsfeld werden lassen soll.

Fazit: Die Zeit der Experimente ist vorbei, der Digitaldruck der ersten Generation steckt in einer handfesten Krise. Der Markt akzeptiert künftig nur Lösungen, die technisch ausgereift sind, professionellen Ansprüchen genügen und vor allem Profit bringen.

ots Originaltext: columnum
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