Mit Macht ins Jahrhundert der Frauen

ÖGB-Frauen fordern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Wien (ÖGB). "Die geplante Abschaffung der Bildungskarenz nach der Karenz ist nur ein Beispiel für die rückschrittliche Frauenpolitik der derzeitigen Bundesregierung, die sich voll gegen die Interessen der Österreicherinnen richtet", kritisiert ÖGB-Frauenvorsitzende und ÖGB-Vizepräsidentin Renate Csörgits in ihrem Referat bei der unter dem Motto "Mit Macht ins Jahrhundert der Frauen" heute, Donnerstag, in Salzburg abgehaltenen 11. Landesfrauenkonferenz der ÖGB-Frauen.++++

Die Abschaffung des Frauenministeriums sei nur der traurige Auftakt für eine Reihe von Anschlägen gegen die Selbstständigkeit der österreichischen Frauen gewesen, so Csörgits. "In der österreichischen Frauenpolitik findet derzeit ein bedenklicher Umbruch statt. Errungenschaften der letzten 30 Jahre werden in Frage gestellt und die vorhandenen Strukturen von Frauen werden geschwächt und unterhöhlt."

Die gesellschaftliche Position von Frauen sei ohnehin von wirtschaftlicher Benachteiligung geprägt. "Derzeit", so Csörgits, "sind sogar Errungenschaften bedroht, die wir uns in den vergangenen Jahrzehnten oft mühsam erkämpft haben. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die derzeitige Bundesregierung die Österreicherinnen am liebsten wieder zurück an den Herd schicken möchte." In diesem Zusammenhang müsse man auch darauf achten, dass die Mittel für Berufsberatungseinrichtungen für Frauen und Mädchen "nicht irgendwo 'versickeln'".

Fehlende Kinderbetreuungseinrichtungen oder deren unzureichende Öffnungszeiten erschwerten die Situation von berufstätigen Frauen zusätzlich und, so Csörgits: "Viele Frauen haben nach der Kinderpause Probleme mit dem Wiedereinstieg. Gerade die Abschaffung der Bildungskarenz drängt Frauen weiter aus dem Erwerbsleben. Der Zynismus Grassers erreicht seinen Höhepunkt, wenn er diese harte Maßnahme damit rechtfertigt, dass die Wiedereinsteigerinnen ohnehin nur "Blumenbindekurse" besuchten."

Der Stellenwert der Frauen sei dabei sukzessive abzunehmen, aber das konservative Frauenbild dieser Regierung dürfe keinen Sieg davontragen, betont Csörgits. Daher müssten die Frauen sich gemeinsam gegen ihren Ausschluss aus dem Erwerbsleben zur Wehr setzen. "Wir werden nicht aufhören für eine zukunftsorientierte und faire Frauenpolitik zu kämpfen. Daher fordern wir Aus- und Weiterbildungsoffensiven speziell für Frauen und eine Erhöhung der Mittel für eine aktive, frauenorientierte Arbeitsmarktpolitik. Beruf und Familie sind nur dann für Väter und Mütter vereinbar, wenn es einen Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen gibt, deren Öffnungszeiten sich an den Arbeitszeiten berufstätiger Eltern orientieren."

"Grassers Kindergeld für alle ist ein Signal in die falsche Richtung. Das werden sich die österreichischen Frauen mit Sicherheit nicht bieten lassen", gibt sich Csörgits kämpferisch. (hk)

ÖGB, 19. Oktober 2000
Nr. 881

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Heidemarie Kargl
Tel. (01) 534 44/480 DW
Fax.: (01) 533 52 93
E-Mail: presse@oegb.or.at
Homepage: www.oegb.at

ÖGB Presse und Öffentlichkeitsarbeit

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB/NGB