Leitl will bilaterale Beschäftigungsabkommen mit EU-Beitrittsländern

Regierung muss Fachkräftemangel ernst nehmen - Westeuropa verliert jährlich 100 Milliarden Euro

Wien (PWK898) - Als "Realitätsverweigerung" bezeichnete heute anlässlich eines Pressegesprächs in der Wirtschaftskammer Burgenland Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, die Weigerung der Regierung die Beschäftigungsquote für ausländische Fachkräfte zu erhöhen. "Der Wirtschaft fehlt es heute an allen Ecken und Enden an qualifiziertem Personal. Ob in der IT-Branche, im Baugewerbe oder in der Elektroindustrie. Da kann die Regierung nicht einfach tatenlos zusehen." Leitl verwies in diesem Zusammenhang auf die Gefahr einer drohenden Verlangsamung des Wirtschaftswachstums. "Die Situation ist mit den sechziger Jahren zu vergleichen. Auch da fehlten ausländische Arbeitskräfte und das Wirtschaftswachstum litt darunter." Als Lösung will Leitl eine Sonderquote für Spezialkräfte aus den EU-Beitrittsländern. "Mit Ungarn bestehen heute schon bilaterale Beschäftigungsabkommen. Die Ausweitung auf andere Kandidaten wäre gleichzeitig eine Lösung des Arbeitsmarktproblems und ein positives Signal Österreichs zur EU-Erweiterung." Langfristig will Leitl den Fachkräftemangel aber aus eigener Kraft durch Bildungsoffensiven beheben.

"Die IT-Branche, die heute bereits händeringend nach qualifizierten Mitarbeitern sucht, braucht rasch und unbürokratisch Zugang zu ausländischen Fachleuten aus Nicht-EU-Staaten. Nur so kann heute das Wachstumspotenzial realisiert und die künftige Marktposition gestärkt werden. Ansonsten geht die Entwicklung in einer globalen Wirtschaft an Österreich vorbei", warnte der Wirtschaftskammer-Präsident vor einer Verdrängung des Problems.

Der IT-Fachkräftemangel hat für Europa bereits heute wachstumshemmende Effekt. In einer heuer veröffentlichten Studie von Datamonitor wird Westeuropa für die nächsten drei Jahre jeweils ein um 100 Milliarden EURO niedrigeres BIP prognostiziert. Bereits in den letzten Jahren seit 1998 trat dieser Wachstumsverlust ein, sodass bis 2003 mit einem Entgang von insgesamt 500 Mrd. EURO gerechnet wird. Leitl verglich die Situation mit den sechziger Jahren. Das Wachstum Ende der Sechziger ging damals nicht zuletzt auf eine Erhöhung der Ausländerquote zurück, wodurch auf die Nachfrage seitens des Arbeitsmarktes reagiert wurde. Derzeit fehlen dem Arbeitsmarkt im IT-Bereich laut einer WIFO-Studie rund 13.000 Fachkräfte, davon allein in Wien 9.000. Diese Zahl wird allerdings als Untergrenze angesehen. Da es pro Jahr aber nur rund 850 Abgänger geeigneter Studien gibt, gilt es eine große Lücke zu schließen. "Die 13.000 sind sicher nur die Spitze des Eisberges. Auch traditionelle Bereiche der Wirtschaft melden einen Arbeitskräftemangel. Nach unseren Berechnungen wird die wirkliche Nachfrage im Jahr 2003 bei rund 60.000 Facharbeitern liegen. Ich fordere daher, dass die Wirtschaftspolitik auch weiterhin auf Basis der wirtschaftspolitischen und volkswirtschaftlichen Realitäten gemacht wird."

"Langfristig werden wir die Nachfrage am Arbeitsmarkt nur durch eine heute einsetzende Aus- und Weiterbildungsoffensive beheben können." Die kurzfristige Lösung des Problems sieht Leitl in bilateralen Beschäftigungsabkommen mit den EU-Beitrittsländern. Dieser Vorschlag kann auch als schrittweise Vorbereitung auf die Freizügigkeit mit dem jeweiligen Beitrittsland gesehen werden. "Auf diese Weise könnte der Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften gedeckt und gleichzeitig gegenüber den Beitrittsländern eine positive Haltung Österreichs zur EU-Erweiterung dokumentiert werden." Derzeit bestehen solche Vereinbarungen bereits mit Ungarn in Form von Grenzgänger- und Praktikantenabkommen. "Denn wir dürfen unsere hervorragende strategische Position im Verhältnis zu Osteuropa nicht durch eine Abschottung ungenützt lassen", betonte Leitl abschließend. (AB)

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Presseabteilung
Tel.: (01) 50105-4364
Fax: (01) 50105-263
e-mail: presse@wkoe.wk.or.at
http://www.wko.at/Presse

Wirtschaftskammer Österreich

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK/PWK