ÖH: Studie zu Auswirkungen der Studiengebühren

Wien (OTS) - Die Grazer Professoren, Richard Sturn und Gerhard Wohlfahrt, haben für die Österreichische Hochschülerschaft eine Studie zu den Auswirkungen der derzeit diskutierten Einführung von Studiengebühren erstellt. "Mit dieser Studie kann klar belegt werden, dass die Argumente der Regierung nichts mit der Realität zu tun haben", so ÖH-Vorsitzender Martin Faißt.

WELCHE EINNAHMEN BRINGEN STUDIENGEBÜHREN VON öS 10 000,-

Die amtliche Statistik, Hochschulbericht 1999, gibt die Zahl von 230 000 Studierenden an Österreichs Universitäten an. Klar ist, dass ein Teil der erfassten ordentlichen Studierenden das Lehrangebot an den Universitäten nicht oder nur ganz wenig nutzen. Daraus kann der Schluss gezogen werden, dass diese Gruppe auch nicht bereit sein wird Studiengebühren zu zahlen.

>> Gründe wieso keine oder nur wenig Prüfungen absolviert werden

"Laut den vorliegenden Prüfungsstatistiken ist davon auszugehen, dass rund 40% der Studierenden keine Prüfung machen und 10% der Studierenden Prüfungen (positive und negative) im Ausmaß von weniger als 8 Wochenstunden/Jahr abgelegt haben", so im Bericht "Auswirkungen von Studiengebühren", Sturn/Wohlfahrt, 2000. Als Gründe, wieso Studierende wenig oder gar keine Prüfungen ablegen und trotzdem in den regulären Unibetrieb eingegliedert sind, werden in der Studie zum Beispiel die Teilnahme an einem Austauschprogramm oder die Betreuung eine Kleinkindes genannt. Keine Prüfungen legen natürlich auch Dissertantinnen und Dissertanten, sowie Diplomanden und Diplomandinnen ab, da sie sich auf ihre Forschungsarbeit konzentrieren.
Der Großteil der Studierenden macht, nach Sturn und Wohlfahrt, keine Prüfung, weil sie beruftstätig sind und die Uni als Weiterbildungsinstitution nutzen und für ihr Studium auf Grund des Berufs länger brauchen. Eine andere Gruppe bilden die Studierenden, die ihr Studium aufgrund der Erwerbstätigkeit "auf Eis gelegt" haben, den Abschluss aber planen. Inskribiert sind auch viele die nach ihrer Diplomarbeit eine Dissertation planen, aber den genauen Zeitpunkt noch nicht festgesetzt haben.

Es wird "die Annahme getroffen, dass 80% der Studierenden mit sehr geringer Prüfungstätigkeit (92 000 Studierende) die Universitäten "verlassen" und die anderen 20% (23 000 Studierende) den Beitrag zahlen werden." (Sturn/Wohlfahrt, 2000) Aufgrund der Betrachtungen (mit Einrechnung der "sozialen Abfederung") ist davon auszugehen, dass mit Einführung der Studiengebühren 138 000 Studierende den Beitrag zahlen werden, dies bedeutet jährliche Einnahmen von 1,38 Milliarden Schilling.

KOSTEN DER SOZIALEN ABFEDERUNG

30.000 Studienbeihilfenbezieherinnen gibt es derzeit in Österreich. Ihnen soll die Studiengebühr in der Höhe von 10.000.- pro Jahr über die Studienbeihilfe rückerstattet werden. Dafür sind 300 Millionen Schilling notwendig. Außerdem wird der Bezieherkreis ausgeweitet, sodass Studierende, die jetzt gerade keine Studienbeihilfe bezogen haben, auch einen Teil der Studiengebühr ersetzt bekommen. 10.000 Studierende sollen demnach im Durchschnitt pro Jahr 7.400.- Schilling bekommen. Dafür sind 74 Millionen Schilling notwendig.

Weiters wurde ein Erhöhung der Mittel für Leistungsstipendien angekündigt. Aufgrund unterschiedlicher Aussagen aus dem Wissenschaftsministerium und "Mangels näherer Information wird dafür ein Betrag von öS 72 Millionen angesetzt (z. B. 3000 Stipendien von öS 24 000,-)

VERWALTUNGSKOSTEN

"Die Verwaltungskosten für dieses Studiengebühren-Modell, welches beim derzeitigen Diskussionsstand keine Differenzierung zwischen Voll- und Teilzeitstudierenden vorsieht, dürften sehr gering sein und können außer Ansatz bleiben." Teuer wird nach Sturn und Wohlfahrt aber sehr wohl die soziale Abfederung der Studiengebühren.
Die Studienbeihilfenbehörde bearbeitet derzeit rund 40 000 Anträge pro Jahr mit zirka 80 Planstellen und keinen freien Ressourcen. "Aufgrund der Unsicherheit in der Bevölkerung (unter den Studierenden) ist mindestens mit 20 000 zusätzlichen Anträgen zu rechen. Um diese Anträge in einer sozialverträglichen Frist bearbeiten zu können, müssen die Ressourcen der Studienförderungsstelle um mindestens 50% aufgestockt werden. Somit wären 40 zusätzliche Planstellen notwendig."

Kosten für Refundierung für derzeitige StudienbeihilfenbezieherInnen 300 Mill.
Kosten für 10 000 weitere StudienbeihilfenbezieherInnen, die durch die
neuen Studienbeiträge erstmals einen Anspruch erwirken
Kosten für zusätzliche Leistungsstipendien
Verwaltungskosten (Kosten für neue Planstellen inkl. Personal- und Sachaufwand durchschnittl. öS 500 000 pro Jahr)

SUMME

"Nicht berücksichtigt sind die Kosten des Kreditmodells, da dazu noch keine Konkretisierungen vorliegen. Aufgrund ausländischer Erfahrungen betragen die Kosten eines solchen Modells je nach Ausgestaltung (Höhe der etwaigen Zinssubvention, Einkommensgrenzen bei Rückzahlung) 20 -60% der kreditierten Summe."

"Der zu erwartende Nettobetrag des vorliegenden Studiengebühren-Modells beträgt somit rund öS 900 Mill. jährlich." (Einnahmen von 1,38 Mrd. abzüglich der Kosten für die soziale Abfederung)

WAS KOSTET EIN SCHEININSKRIBENT?

Dadurch, dass ein Teil der Studierenden das Angebot der Universitäten nur zum Teil oder gar nicht nützt, verursacht diese Gruppe auch nur geringe oder keine institutionellen Kosten.

>> Verwaltung

Die Meldung der Fortsetzung des Studiums ist ein weitgehend automatisierter Vorgang, wenn man zur Versendung von Briefen noch die Kosten für das EDV- System dazu rechnet, sind die anfallenden Kosten mit maximal öS 100,- anzusetzen.

>> Universitäten/Lehrangebot

Dem Ministerium ist die Problematik der "Scheininskribierenden" grundsätzlich bekannt. Für diese Personen werden vom Ministerium in der "Grobplanung" keine Ressourcen zugewiesen und so können den Universitäten auch keine "überflüssigen" Lehrkapazitäten angeboten bzw. vorgehalten werden. Für die Universitäten selbst fallen keine erwähnenswerten Kosten durch "Scheininskribierende" an.

>> Öffentliche Kosten außerhalb der Universität

Der "Wert des Studentenausweises" hat sich in den letzten 15 Jahren drastisch reduziert, da die öffentlichen Transfers an Leistungsnachweise gekoppelt wurde. So auch die Familienbeihilfe mit allen Leistungen, die daran gekoppelt sind, wie zum Beispiel der Kinderabsetzbetrag.
"Die durch Scheininskribierende verursachten Verzerrungen der Statistik verursachen somit keine zusätzlichen öffentlichen Kosten."

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