"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Der Sieg, ein Bärendienst

Ausgabe vom 17.10.2000

Bei allem Jubel in der ÖVP: Der steirische Sieg hat einen bundespolitischen Pferdefuß. Ein schwer angeschlagener Koalitionspartner FPÖ ist wie ein weidwund geschlagener Bär, unberechnbar, aggresiv, gefährlich. Die schwerste Niederlage Jörg Haiders wird an der Bundesregierung nicht spurlos vorübergehen. Partner hin, Partner her, die FPÖ wird sich ab sofort gegen die ÖVP wehren.

Natürlich wird das von den Klubobleuten der Regierungsparteien noch dementiert. Natürlich wird noch Friede beschworen, wo längst Feuer am Dach ist. Die FPÖ will nicht mehr allein für die Grausamkeiten der Regierung gerade stehen müssen. Ja es schien geradezu, als hätte sie das Regieren bereits wieder satt. Doch abspringen wird sie so schnell nicht können, auch das würde ihr nicht verziehen.

Wenn die Freiheitlichen nicht mehr weiter wissen, rufen sie nach dem einfachsten der einfachen Parteimitglieder. Jörg Haider müsse wieder an die Spitze nach Wien. Und die Partei müsse sich wieder auf ihre "Kernthemen" zurückbesinnen: Kampf gegen Drogen und Ausländer. Klarer kann man die Gefahr, die aus dem steirischen Wahlsieg der ÖVP resultiert, nicht benennen.

Und die Gefahr besteht nicht zuletzt darin, dass die ÖVP, um die Koalition zu retten, noch stärker als bisher der Verhaiderung nachgibt und die FPÖ-Kernthemen auch zu den ihren macht. Landeshauptfrau Klasnic hat einen fulminanten Sieg eingefahren. Es ist ihr zu gratulieren. Doch ihrem Bundesparteiobmann hat sie damit einen Bären(taler)-Dienst erwiesen.

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