Kommentar über die Landtagswahl. Landtagswahl mit Wirtschaftsfaktor von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Österreich hat seit vielen Jahren keine Partei, der man eine ausserordentliche Wirtschaftskompetenz zusprechen würde, auch wenn fast alle Parteien eine solche beanspruchen. In den 30 Jahren sozialdemokratisch geführter Regierungen eignete sich die SPÖ rhetorisch eine allumfassende, alles durchdringende Zuständigkeit an. Bundeskanzler Kreisky wollte den Suezkanal untertunneln, träumte vom Austro-Porsche und schützte die Arbeiterkohorten der Voest vor Rationalisierungen, indem er die Rationalisierung verhinderte. Hannes Androsch hatte zwar sowohl mit sich als auch mit Kreisky manch liebe Not, aber immerhin trug er dazu bei, der SPÖ ein wirtschaftsnahes Image zu geben. Bundeskanzler Franz Vranitzky kam direkt aus der Bank, und allein die Abfertigungssumme, die er mitnahm, zeigte: Der Mann versteht etwas davon. In diesem Umfeld hatte die klassische Wirtschaftspartei ÖVP immer weniger zu vermelden, auch wenn sie das Wirtschaftsministerium behielt. Sie wurde zur Volkspartei, in deren Bauchladen sich alles fand, was gerade opportun schien. Als Partei schrumpfte sie, und Unternehmer pflegen sich an denen zu orientieren, die etwas bieten. Also entweder gleich an der Kanzlerpartei - oder einer alternativen Hoffnung. Damit traten in den frühen neunziger Jahren zwei ökonomische Trostlosigkeiten ins Blickfeld: die angebliche Wirtschaftspartei FPÖ, die tatsächlich regen Zulauf aus Unternehmer- und auch Yuppie-Schichten erhielt; und ihr Ableger LiF, deren anfänglicher Wirtschaftsliberalismus sich bald im Dickicht von Randthemen verfing: jedes wichtig, aber alle zusammen tödlich. Eine Landtagswahl wie die steirische kann lediglich ein Signal sein. LiF ist ganz weg, die FPÖ ist schon lange keine Wirtschaftspartei, aber auch ihr Auftritt als Interessenwahrer der Arbeiterschicht scheint ihr auf die Dauer nichts zu bringen. Die SPÖ ist weggetreten, die Grünen schlagen sich gut, aber trotz Van der Bellen primär nicht als Wirtschaftsgruppe. Es scheint, als hätte die ÖVP die einmalige Chance, an ihre alte Tradition anzuknüpfen, denn nicht einmal den drückenden Sparkurs haben ihr die Wähler bisher verübelt. Es kann alles noch ganz anders werden. Zur Zeit aber scheinen die Wähler die ÖVP als neue Wirtschaftsmacht teils zu akzeptieren, teils duldend zu ertragen.

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