SLÖ gegen Abbaumaßnahmen im Bildungsbereich

Resolution der Bundesleitung des SLÖ vom 16. OKTOBER 2000

Wien (OTS) - Die Mitglieder der Bundesleitung des Sozialdemokratischen LehrerInnenvereins Österreichs (SLÖ) haben in ihrer Sitzung am 16. Oktober 2000 die geplanten Abbaumaßnahmen der FPÖVP-Koalition im Schul- und Bildungsbereich diskutiert und einstimmig abgelehnt.

1. Der in den Sommerferien von BMn Gehrer direkt an die Bezirksschul- und Landesschulräte zugestellte Einsparungserlass hat bereits in vielen Bereichen zu einer deutlichen Verschlechterung des Schulwesens geführt:

In vielen Schulen musste der Förderunterricht eingestellt werden. Geplante Freigegenstände und unverbindliche Übungen mussten kurzfristig abgesagt werden! Wertvolle Bereiche wie die "2. Lebende Fremdsprache", "Musik", "Leibeserziehung", etc. müssen nun den SchülerInnen vorenthalten werden! Unterrichtsentfall für die SchülerInnen (etwa durch Erkrankung von LehrerInnen) steht inzwischen auf der Tagesordnung! Viele junge LehrerInnen konnten nicht angestellt werden, viele konnten nicht weiterverwendet werden und sind heute arbeitslos!

2. Ein Budgetbegleitgesetzt, das ohne Begutachtung dem Parlament vorliegen wird, sieht die Ausgliederung von Verwaltungstätigkeiten aus der Arbeitszeit der LehrerInnen vor. Dies führt

zu einer Erhöhung der unterrichtlichen Arbeitszeit und damit
zu mehr psychischer und physischer Belastung der LehrerInnen und zum Verlust von etwa 2000 Arbeitsplätzen sowie zur mangelhaften Verwaltung und Betreuung der werkstätten und Laboratorien. zur Erhöhung der Lehrverpflichtung (unbezahlte Supplierstunden) zu mehr Leistungen für weniger Geld (Absenkung des Überstundenzuschlages von 50% auf 24%)

3. Besondere Empörung rief der am letzten Donnerstag gestartete Angriff von Finanzminister Grasser gegenüber den 6- 15jährigen PflichtschülerInnen hervor. Sein Vorschlag an die Konferenz der Landeshauptleute, im Bereich der LandeslehrerInnen Einsparungsmaßnahmen vorzunehmen,

kostet weiteren 5503 LehrerInnen den Arbeitsplatz,
führt zwangsläufig zur Schließung kleinerer Volksschulen auf dem Lande, verlängert daher den Schulweg insbesondere für 6- 10jährige und erhöht gleichzeitig deren Unfallrisiko, verursacht eine dramatische, pädagogisch nicht vertretbare Erhöhung der Klassenschülerzahl, beendet die Integrationsbemühungen der österreichischen Schule für behinderte Kinder und für solche mit "nichtdeutscher Muttersprache", wird die ganztägige Betreuung von Kindern berufstätiger Eltern beenden und soll die Übernahme der Lehrerkosten durch die Länder auf Umwegen einleiten, was zum Rückschritt hinter die Schulgesetzgebung von 1962 führt.

Die Bundesleitung des SLÖ fordert die Bundesregierung auf, "ihre Pläne zur Privatisierung des Schulwesens aufzugeben," das Recht auf Bildung für alle sicherzustellen, weil Bildung kein Privileg nur für jene sein darf, die sich Bildung leisten können," klarzustellen, dass sie auf die Einführung eines Schulgeldes endgültig verzichten wird!

Die Bundesleitung des SLÖ fordert die Landeshauptleute auf, dem ungeheuerlichen Anschlag von Finanzminister Grasser gegen das österreichische Schulwesen deutlich entgegenzutreten und unter diesen Umständen dem Finanzausgleich zwischen Bund und Ländern nicht zuzustimmen.

Die Bundesleitung des SLÖ fordert BMn Gehrer auf, "durch ihr Nein im Ministerrat die drohende Zerstörung des österreichischen Schulwesens zu verhindern oder" als Bundesministerin zurückzutreten, weil dann der letzte Rest ihrer Glaubwürdig-keit abhandengekommen wäre.

Die Bundesleitung des SLÖ ladet alle an Bildung Interessierten ein, eine überparteiliche Plattform von Schülern, Eltern und Lehrer einzurichten. Diese Bildungsinitiative soll das Ziel haben,über den Weg eines Volksbegehrens das Recht auf kostenlose Bildung für alle Lernenden und Studierenden verfassungsmäßig im Gesetz zu verankern!

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