OeNB-Gouverneur Dr. Liebscher: Die Währungsunion und der Euro sind ein Erfolg

Wien (OTS) - Am 16. Oktober 2000 hielt der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, Dr. Klaus Liebscher, bei einer gemeinsamen Veranstaltung der Raiffeisenlandesbank
Oberösterreich und der Organisation für Internationale Wirtschaftsbeziehungen (OIER) in Linz das Festreferat zum
Thema "Der Euro als stabile Weltwährung".

"Die Währungsunion und der Euro sind ein Erfolg", so der Gouverneur, wenn man z.B. die beachtlichen Fortschritte der Disinflation, der nominellen und realen wirtschaftlichen
Konvergenz wie auch bei der Rückführung der Defizite der öffentlichen Haushalte im Eurogebiet betrachte. Erfahrungen
der Vergangenheit hätten deutlich gezeigt, daß hohe Inflationsraten die Glaubwürdigkeit einer Währung untergraben, nachhaltiges Wirtschaftswachstum und damit auch die Schaffung
von Arbeitsplätzen wesentlich beeinträchtigen und somit auch
die internationale Bedeutung einer Währung schwächen. Der
Euroraum befinde sich derzeit auf robustem und
inflationsfreiem Wachstumskurs mit allen daraus resultierenden positiven Auswirkungen.

Gouverneur Liebscher betonte, daß man nach 21 Monaten
gelebter Währungsunion jedenfalls feststellen könne, daß sich
die stabilitätsorientierte geldpolitische Strategie des
Eurosystems in der Praxis sehr gut bewährt habe und auch von
den Finanzmärkten und Wirtschaftsakteuren breit akzeptiert
wurde. Das unabhängige und transparente Eurosystem habe alle Voraussetzungen, um das vorrangige Ziel der Preisstabilität
und damit die Erhaltung der Kaufkraft für rund 300 Mio.
Menschen glaubwürdig und vorausschauend verfolgen zu können. "Glaubwürdigkeit muß aber beständig erarbeitet und immer
wieder unter Beweis gestellt werden." Er mahnte jedoch ein,
daß die einheitliche Geldpolitik bei ihrer
Inflationsbekämpfung von den nach wie vor in nationaler
Autonomie verbliebenen Fiskal-, Struktur- und Einkommens-
politiken der Währungsunion-Mitglieder entsprechend flankiert werden müsse.

Gouverneur Liebscher wies darauf hin, daß der Euro bereits
auf gutem Wege sei, seine Position als internationale und
weltweit akzeptierte Währung weiter auszubauen und damit zu
einem stabilen Eckpfeiler im internationalen Währungssystem zu werden:

So profitieren heute die Marktteilnehmer an einem höchst liquiden und effizienten, einheitlichen europäischen Geldmarkt
von einheitlichen Konditionen, den gegenüber der Zeit vor der Währungsunion nun wesentlich geringeren Volatilitäten sowie
dem neu geschaffenen, leistungsfähigen TARGET-Zahlungsverkehrssystem.

Auf den Devisenmärkten habe der Euro ebenfalls seinen bestimmenden Platz gefunden. Gemeinsam mit dem US-Dollar zählt
er heute zu den am meisten gehandelten Währungen. Auch als Reservewährung habe der Euro seinen Platz als die am zweitstärksten verwendete Währung sichern können. Darüber
hinaus finde der Euro als Ankerwährung zunehmend
internationale Verwendung. So verwenden inzwischen rund 50
Staaten aus Mittel- und Osteuropa, dem Mittelmeerraum und aus
Afrika den Euro als ihren nominellen Anker.

"Was den Euro als Emissionswährung auf dem europäischen Anleihemarkt betrifft, so sind bereits durchaus ermutigende
Zeichen zu erkennen", so Gouverneur Liebscher weiter. Rund 30%
aller Emissionen im Jahr 1999 seien bereits in Euro
denominiert gewesen, demgegenüber sei der Anteil des US-
Dollars von 58% im Jahr 1998 auf 48% im Jahr 1999
zurückgegangen. Auch die europäischen Aktienmärkte stünden vor großen Herausforderungen, insbesondere wenn man - verglichen
mit den USA - an die unterdurchschnittliche
Börsenkapitalisierung des Euroraumes denke. Gouverneur
Liebscher appellierte, "bei der dynamischen Entwicklung eines konzentrierteren und wettbewerbsfähigen Risikokapitalmarktes
im Euroraum nicht nur die europäische Großindustrie vor Augen
zu haben, sondern insbesondere auch die Interessen der für
unsere Volkswirtschaften so wichtigen Klein- und
Mittelbetriebe entsprechend zu berücksichtigen".

Er wies weiters auf die künftigen Herausforderungen für das Eurogebiet hin: nämlich eine deutlich stärkere, wirtschaftspolitische Koordination, eine energische
Fortführung der Budgetkonsolidierung gemäß den Zielen des Stabilitäts- und Wachstumspaktes und insbesondere weitere Strukturreformen zur Schaffung günstiger Ausgangsbedingungen
für ein nachhaltiges und inflationsfreies Wirtschaftswachstum,
zur Erhaltung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Euroraumes und zur langfristigen Sicherung und Verbesserung
der Beschäftigung. "Der Schlüssel dazu ist mehr
Marktwirtschaft und Konkurrenz", so Gouverneur Liebscher.

Mit Blick auf die Wechselkursentwicklung des Euro hielt der Gouverneur schließlich fest, daß mit der Einführung der einheitlichen Währung die vorher bestandenen
Wechselkursrisiken zwischen den Mitgliedstaaten der
Währungsunion beseitigt wurden und der Euro an kein
Wechselkursziel gebunden sei. Angesichts des relativ geringen Öffnungsgrades des Euroraumes sollten Wechselkursschwankungen
nicht überbewertet werden, wenngleich der EZB-Rat die Wechselkursentwicklung im Hinblick auf künftige Risiken für
die Preisstabilität sehr genau beobachte. Das dem Euroraum innewohnende Potential sei von den internationalen
Finanzmärkten in der Wechselkursentwicklung des Euro -
insbesondere zum US-Dollar - noch nicht hinreichend
abgebildet. "Der bisherige Erfolg der Währungsunion und des
Euro liegt im Gesamtprojekt und ist nicht allein am Außenwert
des Euro zu messen." Der Gouverneur zeigte sich überzeugt, daß alle (wirtschafts-)politischen Anstrengungen im Eurogebiet in absehbarer Zeit auch in einem starken und stabilen Euro
reflektiert werden.

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