Versicherungsmakler warnen vor "Zwei-Klassen-Gesellschaft"

Versicherungen wollen Beratungsleistungen und Konditionen für Makler einschränken, wenn Mindestumsatz nicht erreicht wird

Wien (PWK881) - Die rund 6.000 unabhängigen österreichischen Versicherungsmakler schlagen Alarm: Geht es nach den Plänen der Versicherungs-Marktleader droht den Maklern und damit auch den Konsumenten eine "Zwei-Klassen-Gesellschaft". Erreicht ein Makler nämlich einen seitens der Versicherungen festgesetzten Jahres-Mindestumsatz nicht, werden ihm gegenüber die Service- und Betreuungsleistungen sowie die Konditionen erheblich eingeschränkt. Dies gefährdet nicht nur die Vermittlung des bestmöglichen Angebotes durch den Makler an den Kunden wie dies das Maklergesetz vorschreibt ("best advice"), sondern wird dadurch in absehbarer Zeit vermutlich auch direkte negative Auswirkungen auf die Konsumenten haben. Immerhin haftet der Makler im Schadensfall persönlich, wenn er schlecht berät. Wie groß der potentielle Schaden sein wird, kann man nur erahnen: Rund 60 Prozent der bundesweit tätigen Makler (und deren Klienten) wären betroffen.

"In der Praxis kommen die erwähnten Maßnahmen mittelfristig einer Amputation der Dienstleistungen jener Makler gleich, die nicht die geforderte Mindest-Umsatzgröße erwirtschaften", sagt Bundesgremialvorsteher Wolfgang Steinmayr bei einer Pressekonferenz in Wien. Er fordert daher von den Versicherungsgesellschaften "weiterhin faire Behandlung im Sinne des freien Wettbewerbes, denn man kann einen wichtigen Geschäftspartner, der wir ja sind, nicht einfach in eine gute und eine schlechte Klasse aufspalten".

Den vielen "Kleinen" der Branche würde nämlich keine persönliche Betreuung durch eigene Referenten mehr zuteil wie bisher, sondern nur noch anonyme "Call-Centers" zur Verfügung stehen. "Die dort tätigen Mitarbeiter sind mit der jeweiligen Materie nicht mehr direkt befasst, sondern müssen sich erst mühsam einlesen, was sowohl bei der Administration als auch bei der Betreuung entscheidende Nachteile für Makler wie Kunden bringt", weiß auch Steinmayrs Stellvertreter Michael Drechsler, der bereits konkrete Test-Erfahrung mit "Call-Centers" sammeln konnte: "Es hat allein 20 Minuten gedauert, bis der zuständige Mitarbeiter am Telefon war, und dann musste er weitere 20 Minuten im Computer forschen, bis er halbwegs wusste, worum es geht. Das ist in der Praxis schon einem Konsumenten kaum zumutbar, aber für einen Makler, der ja viel öfter anrufen muss, absolut untragbar!"

Besonderes Anliegen ist den Maklern neben der Bedrohung ihres eigenen Berufsstandes natürlich der Konsument: "Wir sind die einzigen unabhängigen und gesetzlich dem Kunden verpflichteten Fachleute am Versicherungsmarkt, die einen kompletten Marktüberblick bieten", streicht Steinmayr die besondere Qualifikation des Maklers hervor. Vielen Kunden sei nämlich der Unterschied zwischen einem nur für eine einzige Versicherung tätigen Agenten und einem Makler gar nicht bewusst - ganz abgesehen von der Unzahl nebenberuflicher "Pfuscher", die ohne Ausbildung und Gewerbeschein Versicherungen verkaufen. Steinmayr: "Kein Makler wird böse sein, wenn der Kunde vorher den Gewerbeschein verlangt - im Gegenteil".

Folgt man den Ausführungen der "Allgemeinen Geschäftsbedingungen der österreichischen Versicherungsmakler", so entstehen diesem eine Reihe wichtiger und eindeutig definierter Verpflichtungen, die dem Kunden am zunehmend unüberschaubaren Markt bestmögliche Beratung garantieren. Allein im Kfz-Kasko-Bereich etwa betragen die Prämienunterschiede für nahezu gleiche Versicherungsprodukte bis zu 100 Prozent (!). "Wir verstehen uns als Anwalt der Konsumenten in einer Materie, die nicht selten über die Existenz eines Unternehmens oder einer Privatperson entscheiden kann - und in diesem Bereich darf es keine Einschränkungen geben, wie es seitens mancher Versicherer nun geplant ist", lautet Steinmayrs Resümee. (MH)

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