"profil": Wiesenthal: "Man wird Mahnmal schützen müssen"

Wiesenthal befürchtet Anschläge auf Mahnmal am Judenplatz

Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, wird Simon Wiesenthal bei der Enthüllung des neuen Mahnmals am Judenplatz in Wien am 25. Oktober auf die Gefahr möglicher Anschläge verweisen. Wiesenthal "profil"-Interview: "Ich werde auch davon sprechen, was heute in Deutschland mit den Anschlägen auf Synagogen und Gedenkstätte vor sich geht. Deutschland ist nicht weit entfernt und es gibt auch bei uns Menschen, die so etwas vorhaben könnten. Man wird dieses Mahnmal schützen müssen."

Die Errichtung des Mahnmals, das von Rachel Whiteread ausgeführt wurde, geht auf eine Anregung Wiesenthals zurück. Dieser bedauert, dass nicht schon früher ein solches Zeichen für die 60.000 österreichischen Opfer des Holocausts gesetzt worden war. Auf die Frage, warum Österreich den mehr als 60.000 Opfern des Holocaust aus Österreich ein Mahnmal gesetzt habe, antwortete Wiesenthal im "profil"-Interview: "Österreich hat vertriebene Juden nie zurückgeholt und man hat für die Ermordeten kein Mahnmal errichtet." Dass von Wiens Bürgermeister Michael Häupl schließlich so rasch auf seine Anregung reagiert wurde, habe ihn beeindruckt.

Im Gegensatz zu den vielen Kriegerdenkmälern werde das Mahnmal am Judenplatz "das einzige in Österreich sein, das auf die Verbrechen der Nazis hinweist". Er erwarte, so Wiesenthal, "dass es zum Nachdenken anregt". In seinem seit 1945 geführten Kampf gegen das Vergessen seien die einzigen Verbündeten jene gewesen, die selbst in Konzentrationslagern gelitten hatten. Wiesenthal: "Die große Mehrheit hat weggeschaut, hat sich an den Gedanken gewöhnt, dass keine Juden mehr da waren."

Er sei nach der Befreiung aus dem Konzentrationslager "bewusst in Österreich geblieben, weil ich mir gesagt habe, hier leben viele, die für den Mord an den Juden verantwortlich gewesen sind".

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