"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Information ist Macht

Ausgabe vom 15.10.2000

Es ist in politischen Kreisen - und nicht nur in diesen - gar nicht so unchic, durchblicken zu lassen, dass man über den Anderen bis in dessen Peinlichkeiten hinein hervorragend informiert sei. Information ist Macht. Allein die Andeutung, dass man weit besser informiert sei, als man zugebe, flößt den einen Respekt, den anderen Angst ein. Dieses Spiel mit dem nicht ausgespielten Wissen ist alt und nicht erst von Herrn Kleindienst erfunden.

Vor allem Jörg Haider - das sei wertneutral und nicht als Vorwurf festgestellt - wendet dieses Spiel perfekt an. Ein bestimmtes Lächeln zwischen zwei Worten und alle fühlen sich ins Vertrauen darüber gezogen, was er eben gar nicht gesagt hat. Das Verschweigen als Mitteilung von Macht.

Im Dezember 1997 erklärte Jörg Haider "Ich bin jederzeit in der Lage, mir Informationen zu organisieren". Und "da verlangt man net amol mehr wos". Er kritisierte damit das Sicherheitssystem und gab gleichzeitig Auskunft über die Möglichkeiten der Erweiterung seines Wissens über Freund und Feind.

Doch jetzt ist das Spiel vorbei. Es geht nicht mehr um Andeutungen von Information und daraus resultierender Macht, es geht um Factfinding. Hat Jörg Haider - es geht in der aktuellen Spitzelaffäre politisch doch nur um ihn - die von ihm benannten Möglichkeiten genutzt oder nicht? Dies zweifeslfrei aufzuklären, muss im Interesse des gesamten Staates liegen. Mit Vorhaltungen und Ehrenbeleidigungsklagen ist da nichts getan. Klären müssen Parlament und Justiz.

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