Kommentar über Nahost: Nahost: Alle sind Verlierer (von Robert Lechner)

Wien (OTS) - Ökonomisch betrachtet zählen die palästinensischen Autonomiegebiete zur Kategorie unbedeutend. Trotzdem stehen nicht nur Israelis und Palästinenser, sondern die gesamte Weltwirtschaft auf der Verliererseite, wenn im Westjordanland oder Gaza die Gewalt eskaliert. Dann ziehen Schockwellen quer über den Globus, Börsenhändlern von der Wall Street bis Sydney schlottern die Knie und Ökonomen werfen ihre Konjunkturprognosen über den Haufen. Die Angst vor einer Ölpreiskrise ist dafür ausschlaggebend. Zwar haben die westlichen Industrieländer aus den vergangenen Ölschocks gelernt, das Schwarze Gold effizienter zu nützen. Sie wissen auch, dass weder Israelis noch Palästinenser Öl produzieren. Die grosse Gefahr geht aber davon aus, dass eines der arabischen Länder den Ölhahn aus Loyalität zu den Palästinensern abdreht. Die Region sitzt nach wie vor auf 90 Prozent der weltweiten Ölreserven. Iran, Irak, Saudi-Arabien und Co. werden dann noch Öl fördern, wenn die Reserven in Texas und der Nordsee bereits längst aufgebraucht sind. Der Westen wird also noch lange mit dem Ölpreisrisiko leben müssen. Selbst wenn sich Israelis und Palästinenser noch einmal auf Verhandlungen einigen, den Friedensprozess im Nahen Osten haben sie de facto schon abgehakt. Das erschüttert auch das Image der Vereinigten Staaten als Weltpolizist, der scheinbar jeglicher Krisensituation gewachsen ist. Washington reiht sich nach dem Bombenhagel auf palästinensische Einrichtungen, ausgelöst durch die Lynchmorde an israelischen Soldaten, nahtlos in die Riege der Verlierer ein. Das Fundament für die Eskalation wurde am Nahost-Gipfel in Camp David Mitte Juli gelegt. Dort hat Premier Ehud Barak mit nicht unerheblicher Unterstützung der Amerikaner versucht, Palästinenserführer Jassir Arafat weich zu kochen. Doch der hatte damals bereits auf stur geschaltet. In den vergangenen Tagen sprach nur noch die Gewalt. Ein Ende ist nicht absehbar. Für die Weltwirtschaft ist damit ein weiterer Krisenherd dazugekommen, mit dem noch vor einem halben Jahr kaum jemand gerechnet hat. Sogar österreichische Exporteure haben sich zum Teil mit Euphorie auf den Markt Naher Osten gestürzt. Die Hoffnungen aufs grosse Geschäft in dieser Region müssen sie jetzt begraben. (Schluss) lech

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