"Der Schock der Leben rettet: Wir sollten es einfach tun."

Wien (OTS) - Helfen statt fordern lautet das Resümee der von den Wiener Johannitern veranstalteten Expertendiskussion zum Thema "Frühdefibrillation durch Ersthelfer". Die Einigkeit von medizinischen Kapazitäten und Justiz könnte der international längst anerkannten Methode der Lebensrettung durch Laien nun auch in Österreich zum Durchbruch verhelfen.

Zur Situation: Noch immer sterben in Österreich jährlich 13.000 Menschen am plötzlichen Herztod. Bisher werden nicht alle zu Gebote stehenden Mittel ergriffen, ihnen zu helfen.

Seit März 1999 erlaubt ein neues Gesetz dem Rettungspersonal in Österreich die Defibrillation mit halbautomatischen Geräten. Dort, wo diese Möglichkeit bereits umgesetzt werden konnte, wurden Leben gerettet, die vorher verloren gewesen wären.

Als umstritten galt hierzulande bisher die Anwendung durch Personen ohne Ausbildung als Arzt oder Sanitäter.

Juristische Bedenken und die unbegründete Angst vor falscher Anwendung von halbautomatischen Defibrillatoren durch Ersthelfer standen dem politischen Willen zur flächendeckenden Versorgung mit

Defibrillatoren im Wege. Der Herzspezialist Dr. William J. Groh, Professor am Krannert Institute of Cardiology der Indiana University, USA, machte in seinem Vortrag auf beeindruckende Weise deutlich, welche Überlebensraten mit einer umfassenden Verbreitung der "Defis" möglich sind. Er unterstrich die Forderung: Neben jedem Feuerlöscher ein Defibrillator!

Univ.Doz. Dr. Michael Baubin vom Department Notfallmedizin der Universitätsklinik für Anästhesie und Allgemeine Intensivmedizin Innsbruck stellte dem die europäische und insbesonders die momentan noch völlig unzureichende österreichische Situation gegenüber.

Die anschließende Diskussion mit reger Publikumsbeteiligung ließ dann aber berechtigte Hoffnung auf Besserung der Situation aufkommen:
Im einstimmigen Resümee der Expertenrunde zeichnet sich nun die entscheidende Wende der Situation in Österreich ab. Der Rat, der an alle zur Umsetzung bereiten Einrichtungen ausgegeben wurde, lautet schlicht, mit der Ausbildung und Anwendung der Defibrillation durch Laien einfach zu beginnen, halbautomatische Defibrillatoren öffentlich zugänglich zu machen und den - in der Praxis nicht ernsthaft zu befürchtenden juristischen Konsequenzen - gelassen entgegen zu sehen. Nun liegt es also bei den Politikern, für eine rasche Umsetzung zu sorgen.

STIMMEN DER EXPERTEN:

Univ. Prof. Prim. Dr. Sylvia Fitzal (Vorstand der Abt. für Anaesthesie und Intensivmedizin, Wilhelminenspital der Stadt Wien):

Für alle Experten ist völlig klar, daß die Defibrillation öffentlich zugänglich gemacht werden und auch in den Krankenhäusern forciert werden muß." Und zur Umsetzung: "Gerade das Beispiel der Johanniter müssen wir weitertragen - es braucht motivierte, engagierte Menschen und

Organisationen, die diese Motivation auf andere übertragen."

Dr. iur. Eberhard Zemanek (in Frühdefibrillation ausgebilderter Jurist):

"Warum sollte die Anwendung der Defibrillation für Laien verboten sein? Eine Verbotsnorm ist im Gesetz nicht zu finden. Es existieren auch keine Anwendungsnormen für das Dreieckstuch und ich halte das Abbinden von Extremitäten für weit gefährlicher als die Anwendung eines halbautomatischen Defibrillators. Die Diskussion über die Legalität der Anwendung des Defibrillators durch Laien ist keinen einzigen Toten wert und sollte rasch überwunden werden."

Univ. Doz. Dr. Michael Baubin (Universitätsklinik Innsbruck, Abt. für Anästhesie und Allgemeine Intensivmedizin):

"Die Johanniter in Wien und das Rote Kreuz Steiermark haben als erste Zentren der Frühdefibrillation durch ihre Initiativen große Bewegung in die Diskussion gebracht und die Umsetzung auf gesetzlicher Ebene inittiert. Festzuhalten gilt, daß es derzeit nur 2 europäische Länder (Frankreich und Österreich) gibt, in denen diesbezügliche gesetzliche Regelungen existieren. Ansonsten gilt: Was gesetzlich nicht explizit verboten ist, sollte erlaubt sein."

Univ. Prof. Prim. Dr. Heinz Weber (Vorstand der V. med. Abt. mit Kardiologie, Kaiser-Franz-Josef-Spital der Stadt Wien):

Lobt die Vorreiterrolle der Johanniter und meint: "Grundsätzlich sind Gesetze für und nicht gegen Menschen da. Für besonders wichtig halte ich die Ausbildung und Ausstattung der Polizei, die oftmals als erste am Unfallort ist."

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