OeNB-OeNB-Gouverneur Liebscher:Die Integration der europäischen Finanzmärkte hat bereits beachtliche Fortschritte gemacht

Wien (OTS) - Anlässlich der CEMS Graduate Conference 2000
hielt der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank
(OeNB), Dr. Klaus Liebscher, ein Referat zum Thema "The
integration of financial markets in the euro area". Die OeNB unterstützt bereits seit 1996 das zweijährige, international ausgerichtete Studienprogramm CEMS (Community of European Management Schools), das in Österreich von der Wirtschaftsuniversität Wien in Kooperation mit anderen Wirtschaftsuniversitäten Europas angeboten wird.

In seinem Vortrag betonte Gouverneur Liebscher, dass die Integration der europäischen Finanzmärkte seit der
erfolgreichen Einführung des Euro Anfang 1999 bereits
beachtliche Fortschritte gemacht hat. Der Euro hat einen
bedeutenden Beitrag zur Förderung des Wettbewerbs und zur Steigerung der Effizienz in den Finanzmärkten des Euroraumes geleistet. Das zeigt sich auch an der fortschreitenden Internationalisierung der Geschäftstätigkeit und den zunehmend grenzüberschreitenden Aktivitäten zwischen den europäischen Finanzmarktintermediären.

Die Finanzmärkte erfüllen eine wichtige Funktion bei der Implementierung der geldpolitischen Entscheidungen. Gouverneur Liebscher wies darauf hin, dass die erfolgreiche Einführung
eines marktorientierten, modernen und flexiblen
geldpolitischen Instrumentariums im Euroraum entscheidend zum
Aufbau eines effizienten und vollständig integrierten
Geldmarktes beigetragen hat. Die Entwicklungen bei den Zahlungssystemen, allen voran die Einrichtung des TARGET-
Systems durch das ESZB, haben diese Integration gefördert.

Die Euroeinführung hat auch die Entwicklung und Integration
der europäischen Kapitalmärkte beschleunigt. Der deutliche
Anstieg der in Euro denominierten Wertpapiere dokumentiert die wachsende Bedeutung des Euro als internationale Transaktionswährung. 1999 entfielen mehr als 40% aller Neuemissionen auf Euro-denominierte Anleihen; damit wurde fast
das Volumen der US-Dollar-Emissionen erreicht.

Obwohl bereits beachtliche Fortschritte bei der Finanzmarktintegration erzielt wurden, gilt es noch einige
Hürden zu überwinden. Gouverneur Liebscher machte deutlich,
dass der noch immer hohe Grad der Segmentierung der
Kapitalmärkte in Europa ein wesentlicher Grund für
strukturelle Schwachstellen ist. So gibt es mehr als
20 verschiedene Wertpapierabwicklungssysteme mit
unterschiedlichen technischen Plattformen im Euroraum: Aber
der Druck vom Markt ist bereits erkennbar und die
Konsolidierung schreitet voran. Gouverneur Liebscher betonte
die Notwendigkeit von weiteren Bemühungen, um die noch
bestehende Segmentierung zu beseitigen und die
Marktarchitektur, die lokalen Marktpraktiken, die Rechnungslegungsvorschriften und die steuerliche Behandlung
zu harmonisieren.

Der österreichische Finanzmarkt ist integraler Bestandteil
des Euroraumes. Eine Vielzahl von Maßnahmen wurde in den
letzten Jahren gesetzt, um die Strukturen und Abläufe im österreichischen Finanzmarkt zu adaptieren und die Wettbewerbsposition Österreichs zu verbessern. So hat sich die Wiener Börse mit der Anbindung an XETRA und der erst
kürzlichen Gründung der NEWEX deutlich positioniert.
Gouverneur Liebscher betonte, dass die kürzlich beschlossenen Kapitalmarktmaßnahmen der Bundesregierung, wie die Abschaffung
der Börsenumsatzsteuer, einen wichtigen Beitrag leisten, um
die Attraktivität des österreichischen Finanzplatzes zu
erhöhen. Auch die geplanten Privatisierungen könnten einen weiteren Anstoß zur Belebung der Wiener Börse geben.

Abschließend machte Gouverneur Liebscher deutlich, dass die
21 Monate, die seit der erfolgreichen Einführung des Euro
vergangen sind, eine sehr kurze Zeitspanne für die Beurteilung einer Währung sind. Die Vorteile einer Währungsunion sind im Wesentlichen langfristig angelegt und struktureller Natur;
daher benötigen auch die Kapitalmärkte bis zur vollständigen Integration noch etwas Zeit. Sinkende Transaktionskosten und
eine steigende Preistransparenz über Grenzen hinweg können
bereits beobachtet werden, aber die volle Wirkung einer
gemeinsamen Währung wird der Euro erst nach seiner physischen Einführung im Jahr 2002 entfalten.

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