ÖGJ: Regierung lässt Jugendliche auf der Straße versauern

Ein Drittel zu wenig Plätze im Auffangnetz bewilligt

Wien (ÖGB). Ausbildung für Ausbilder, Engagement für ein funktionierendes Auffangnetz für Jugendliche und Ausbildungsleiter, die bereits hunderte Jugendliche zur Lehrabschlussprüfung begleitet haben: Sie und noch viele andere wurden heute für ihre hervorragenden Leistungen mit einem Preis im Rahmen des Anton-Benya-Stiftungsfonds ausgezeichnet. "Für diese Initiative möchte ich mich bedanken", erklärt Albert Maringer, Vorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ). Und eines ist für ihn klar: "So wie die derzeitige Bundesregierung mit der Ausbildung und damit mit der Zukunft in unserem Land umspringt, müssen wir hoffen, dass in Zukunft noch mehr Menschen dieses Engagement zeigen. Denn sonst wird es mit qualifizierten Facharbeitern in Österreich bald sehr trist ausschauen."++++

Maringer: "Auch wenn ihr noch so viele Experten bestätigen, dass es zu wenig Plätze im Auffangnetz gibt, zuckt diese Regierung nicht einmal mit der Wimper und stellt nur die Hälfte der angeforderten Plätze zur Verfügung. So wurden beispielsweise von den Vertretern der Landesprojektgruppe Wien ein Bedarf von 600 Plätzen bekanntgegeben, die Regierung bewilligte 389. Das selbe Szenario zeigt sich auch in den anderen Bundesländern. Niederösterreich forderte 500, bekam aber nur 341 und im Burgenland wurde ein Bedarf von 140 Lehrgangsplätzen gemeldet, die Regierung vergab 80. "Dieser Regierung ist es sogar egal, wenn Jugendliche nicht einmal die Chance auf Ausbildung erhalten und auf der Straße sitzen", ist Maringer entsetzt.

Auch Ideen, dass die Berufsschulzeit doch auf Kosten der öffentlichen Hand gehen solle, wie sie der burgenländische Wirtschafts-Landesrat Kaplan gestern äußerte, kann Maringer nichts abgewinnen. "Die Berufsschulzeit gehört noch immer zur Ausbildungszeit. Diese Forderung kommt einer Abschaffung der dualen Berufsausbildung gleich." Außerdem, so Maringer, müsse man endlich von der Kostendebatte in der Lehrlingsausbildung wegkommen. Studien würden längst beweisen, dass Lehrlinge für Betriebe immer noch billiger sind als Hilfskräfte.

Was Maringer besonders schockiert: "Seit Ministerin Gehrer für die Bildungspolitik zuständig ist, ist der Anteil der Jugendlichen mit weiterführender Ausbildung nach der Pflichtschule um zehn Prozent zurückgegangen. Kein Grund für die Ministerin auf ihre konservative Bildungspolitik stolz zu sein." Und Maringer weiter: "Wir haben die traurige Befürchtung, dass es unter der derzeitigen Regierung mit der Bildungspolitik weiter bergab gehen wird, seien es die Studiengebühren oder die zahlreichen Verschlechterungen in der Lehrlingsausbildung. Diese Regierung macht vor nichts halt. Aus diesem Grund hat die ÖGJ auch die Kampagne ,Fight for your Future’ ins Leben gerufen: Damit Jugendliche auch in Zukunft noch die Chance auf eine qualifizierte Ausbildung bekommen." (aw)

ÖGB, 12. Oktober 2000
Nr. 843

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