Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik/Studiengebühren "Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Ausschluss der Unbequemen

Ausgabe om 12. Okt. 2000 Klagenfurt (OTS) - Ausschluss der Unbequemen. Tausende Studierende fordern auf Österreichs Straßen einen freien Hochschulzugang. Ihre Stimme verhallt in den Ohren der Politik, Studenten haben keine Lobby - und Studentinnen noch weniger. Doch 10.000 Schilling Studiengebühren im Jahr sind eine gewaltige finanzielle, soziale und psychologische Barriere. Die Furcht vor Schulgeld wächst bereits. Betroffen sind Kinder von Arbeitern und kleineren Angestellten, die sich schon jetzt den Sanktus der Eltern für ein Studium - meist durch Zuverdienst - erkämpfen müssen. Ganz zu schweigen von den Mädchen, die so mancher Vater ob der finanziellen Belastung trotz bester Noten lieber heiraten schicken wird, als in gute Ausbildungsstätten. Stipendienregelungen - das ist kein Geheimnsis - bevorzugen Unternehmer mit gewissen Steuerspielraum. Wie die Regierung die Vorherrschaft der so geschonten Finanzelite des Landes sichern will, ist auch klar - durch Beschneidung des -geisteswissenschaftlichen - Studienangebotes. "Orchideen-Studien brauchen wir nicht", meinte der Finanzminister. Nein, wer will den multikulturell, philosophisch oder gar soziologisch gebildeten Querdenker, die gar Umverteilung anstreben oder Weltoffenheit propagieren? Allgemeinwissen ist nicht gefragt, sondern spezialisierte, möglichst voruniversitäre Fachausbildung von Bürgern, die der freien Wirtschaft ihre Gewinne sichern. Nützliche "Arbeitstiere", die, ohne über alternative Lebensmodelle nachzudenken, funktionieren, schaffen der "Upperclass" weniger Probleme als unbequeme Denker.

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