Kommentar über die Studiengebühren Wer studiert, soll es erfolgreich tun von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Die Studenten, deren Groll sich gestern in den
Zentren der Universitätsstädte entlud, werden in der breiten Bevölkerung nicht viel mehr Sympathie finden als streikende Eisenbahner. Das spricht nicht gegen die Studenten, zumal in Österreich eine grosse Koalition aller Anti-Intellektuellen zu jeder Zeit leichter zu bilden ist als eine einflussreiche Lobby für Wissenschaftsförderung. Aber die Studentenvertreter - und nicht nur sie - müssen ihre Lage realistisch einschätzen, so ähnlich etwa, wie es vor wenigen Tagen den Beamten gelang. Die Regierung mutet den Studierenden (meistens deren Eltern) mit Studiengebühren tatsächlich viel und Ungewohntes zu. Für einen Wert, nämlich den zu erlangenden Studienabschluss, wird plötzlich ein weit höherer Preis verlangt. Die Regierung macht dies keineswegs aus erzieherischen Gründen, sondern verkörpert den schon ausgestorbenen Berufsstand des Kesselflickers, der Löcher im Reindl, sprich in der Staatskasse, zulötet. Bei der Suche nach undichten Stellen stösst sie auf ein immens hohes Wissenschaftsbudget von knapp 30 Milliarden Schilling, das zu zwei Dritteln den Universitäten zufliesst. Deren Effizienz wird jedoch sowohl aus wissenschaftlicher als auch wirtschaftlicher Perspektive immer wieder angezweifelt. Es gibt ein Missverhältnis zwischen Studentenmassen, Kosten und Ergebnis. Österreichs Hochschulwesen entspringt in der Praxis einer unheiligen, aber sehr teuren Verbandelung heterogener Kräfte. Der Widerstand gegen Studiengebühren kommt folglich aus vielen Ecken. Dass sich Oppositionsparteien, Rektoren, Professoren und vor allem der strukturkonservative Hochschul-Mittelbau spontan solidarisieren, verwundert niemanden. Über das Ausmass von sozialer Abfederung, Stipendien und ähnliches wird noch zu verhandeln sein; der Reformwille der Regierung ist bei jeder ihrer Sparmassnahmen laut einzumahnen - bisher leider mit wenig Erfolg. Dass aber Studiengebühren junge Maturanten bewegen werden, genauer zu überlegen, warum sie sich auf was einlassen, ist so sicher wie die abschreckende Wirkung solcher Gebühren auf Leute, die nicht das Studienziel, sondern die fringe benefits des Studentendaseins im Auge haben. Wer dafür eintritt, dass effizienter, aber auch kostengünstiger studiert werden soll, darf Studiengebühren nicht pauschal ablehnen.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftsblatt
Tel.: (01) 91919-305

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB/OTS