Schlingensief kündigt Projekt für Wiener Festwochen 2001 an

Wird auch Streik unterstützen: "Was in Belgrad möglich war, muss auch in Wien möglich sein" - schließt sich Hellers FPÖ-Charakterisierung an - auch Frank Castorf plant politische Kundgebung in Wien - Vorausmeldung zu NEWS 41/00 v. 12. Okt. 2000

Wien (OTS) - Christoph Schlingensief, dessen Container-Aktion im vergangenen Frühjahr stark wahrgenommen wurde, plant auch ein Projekt für die Festwochen 2001. Das erklärt der Regisseur in einem Interview für die morgen erscheinende Ausgabe des Wochenmagazins NEWS. Anlaß:
Das Erscheinen eines Buches zur Container-Aktion in der Edition Suhrkamp.

Schingensief: "Ich komme bestimmt wieder nach Wien. Ich rede schon konkret mit Luc Bondy über die Festwochen 2001. Das Konzept existiert schon, ich darf aber darüber noch nichts erzählen."

Schlingensief kündigt an, auch Streiks gegen die blau-schwarze Regierung zu unterstützen: "Was in Belgrad möglich ist, sollte doch auch in Wien möglich sein - dass nämlich der Diktator Schüssel und der Vizediktator Haider gestürzt werden."

Zu Hellers Wort von der "seelenhygienisch heruntergekommenen FPÖ":
"Das wiederhole ich hiemit ausdrücklich und gern."

Castorfs Pläne. Auch Schlingensiefs Entdecker und Intendant Frank Castorf (Volksbühne Berlin) plant Politisches in Österreich. Er ist für seine Salzburger Festspiel-Inszenierung von Williams' "Endstation Sehnsucht" einer der Hauptnominierten für den neuen "Nestroy"-Theaterpreis, der am 21. Oktober mit ORF-Übertragung im Theater an der Wien verliehen wird. Castorf will diese Gelegenheit nutzen, sich öffentlich politisch zu äußern: "Anders kann ich ja nicht, das würde doch keinen Spaß machen. Österreich ist das Land der Rollenspiele, und dort gibt es ein Publikum mit ungeheurer Konfliktbereitschaft, man könnte auch von einem sadomasochistischen Potential sprechen, bei dem man eine sehr direktere Wirkung erreichen kann als im pseudoabgeklärten Deutschland."

Castorf über seinen Berliner Intendantenkollegen Peymann: "Ich habe ihn vor der Stadt Berlin gewarnt, und jetzt ist er ja tatsächlich in die politische und theatrale Wirkungslosigkeit gestürzt. Ich weiß gar nicht, ob er das noch mitbekommt. Vielleicht ist er ja auch hochgradig abgebrüht, weil er ja eine gut ausgestattete Alterspension hat. Jedenfalls ist das schon eine recht merkwürdige Verdrängung, wie er da über Agenturen das Wunder seiner Auslastung preist und die Politiker schmäht. In Österreich hatte das ja noch feedback. Hier schüttelt man den Kopf wie bei einem Verrückten (...) Gut ausgelastet ist die Komödie am Ku’damm auch. Nur ist die ein Privattheater, das sich selbst finanzieren muss, und er bekommt für ein kleines Haus mit 600 Plätzen 26 Millionen Mark Unterstützung. Aber nehmen Sie das bitte spielerisch. Ich meine, wir Künstler sollten einander nicht immer auf politischen Außenfeldern bekämpfen."

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