ÖGB-Driemer: Kinder haben Recht auf klare Verhältnisse

Teilung des Sorgerechts nach Scheidung sollte noch gründlich überlegt werden

Wien (GBH/ÖGB). "Auch nach einer Scheidung haben beide
Elternteile eine Erziehungsverantwortung für die gemeinsamen Kinder -eine staatlich aufgezwungene gemeinsame Obsorge macht aber die früheren Partner voneinander abhängig und erpressbar", stellt Johann Driemer, der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Bau-Holz und ÖGB-Vizepräsident, fest.++++

Die von der Blau-Schwarzen Bundesregierung geplante Änderung des Kindschaftsrechts sehe als zentrale Bestimmung die Zerstörung des geltenden Obsorgerechts - und somit des Kernstückes der Broda´schen Familienrechtsreform - vor. Gerade Bauarbeiter, die berufsbedingt lange von ihrer Familie getrennt leben müssten, hätten laut Driemer auch nach Scheidungen ein Interesse daran, dass ihre Position im Bereich des Besuchsrechtes für ihre Kinder gestärkt werde:
"Kontraproduktiv ist es aber, wenn durch einen schönfärberischen Begriff wie 'gemeinsame Obsorge' nur neue Konflikte in eine bereits zerrüttete Partnerschaft hineingetragen werden. Die so geschürten Konflikte werden dann fast zwangsläufig auf dem Rücken der Kinder fortgesetzt."

"Der vorliegende Blau-Schwarze Plan ist nach dem schon aus dem Arbeitsrecht bekannten Strickmuster erstellt", so Driemer. Der Bundesvorsitzende weiter: "Rückschritte in der Gesetzgebung werden hinter schönen neuen Begriffen versteckt und mit vorgespielten Objektivierung oder unter dem Deckmantel einer 'neuen Menschlichkeit' zu verkaufen versucht".

Driemer unterstreicht, dass die Wiedereinführung der gemeinsamen Obsorge nicht nur eine Politik gegen Frauen sei, die damit wieder in eine Abhängigkeit von ihren Ex-Ehepartnern kämen, sondern auch eine Politik sei, die den Konflikt in der Familie schüre. Für Driemer muss das Wohl des Kindes im Mittelpunkt jeder Obsorgeregelung stehen: "Kinder haben ein Recht auf klare Verhältnisse auch nach einer Scheidung ihrer Eltern".

"JA zum Ausbau des Besuchsrechtes für geschiedene Elternteile - aber NEIN zum Rückschritt in der Familienpolitik durch staatlich verordnete gemeinsame Obsorge", schloss Driemer.

ÖGB, 11. Oktober 2000 Nr. 838

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