ORF und ARTE: Themenabend "Österreich - zurück aus dem Abseits" am 26. Oktober

Wien (OTS) - Österreich und sein Verhältnis zur EU nach Aufhebung der Sanktionen stehen im Mittelpunkt eines mehrstündigen Themenabends, der am Nationalfeiertag, am Donnerstag, dem 26. Oktober 2000, in ORF 2 und in ARTE unter dem Titel "Österreich -zurück aus dem Abseits" - auf dem Programm steht. Der Themenabend besteht aus zwei Dokumentationen - eine aus österreichischer, eine aus europäischer Sicht, einer prominent besetzten Diskussionsrunde und dem Filmklassiker "Welcome In Vienna" von Axel Corti. Die ORF-Dokumentation "Österreicher und Europäer" von Tom Matzek steht um 21.50 Uhr auf dem Programm. Danach folgt um 22.40 Uhr Teil eins einer den Themenabend begleiteten Diskussionsrunde, die von Barbara Rett und Hervé Claude (ARTE) geleitet wird. Die ARTE-Dokumentation "Europa und die österreichische Herausforderung" von Michel Dumont steht um 22.50 Uhr auf dem Programm. Die Diskussion findet dann ab 23.45 Uhr ihre Fortsetzung. Cortis "Welcome in Vienna" bildet um ca. 0.25 Uhr den Abschluss des Themenabends. Die ORF-Zuseher haben darüber hinaus die Möglichkeit via orf.at und dem Link "Debatte" an einem Diskussionsforum zum Österreich-Themenabend teilzunehmen.
ARTE bietet aus Schemagründen diesen Themenabend völlig ident bereits ab 20.45 Uhr an. Im ORF läuft zu diesem Zeitpunkt noch die 90-minütige "Universum"-Dokumentation "Glockner - Der schwarze Berg".

Donnerstag, 26. Oktober, 21.50 Uhr, ORF 2
Österreicher und Europäer
ORF-Journalist Tom Matzek hat diese ORF-Produktion gestaltet. Seit einem Dreivierteljahr steht Österreich im Blickpunkt Europas. Bislang hatte die Alpenrepublik den guten Ruf eines europäischen Musterknaben - mit der Bildung der neuen Koalitionsregierung sah es sich plötzlich ausgegrenzt isoliert. Jahrzehntelang wurde das Land als verlässlicher Partner des Westens und der europäischen Integration geschätzt. Mit dem Beitritt 1995 setzte die Europäische Gemeinschaft auf die Alpenrepublik als Nettozahler und als Brückenkopf zum Osten. Seit der Bildung der Koalition von ÖVP
und FPÖ scheint das alles nicht mehr zu zählen. Auch jene Österreicher, die der neuen Konstellation selbst skeptisch gegenüberstanden, waren von der Heftigkeit und der Art der Vorgangsweise der 14-EU-Partner überrascht und brüskiert. In Österreich geschah, was in jedem anderen Land auch geschehen würde:
Bei Angriffen von außen wächst innerer Widerstand.
Die Regierungskoalition aus FPÖ und ÖVP verfügt, schenkt man Meinungsumfragen Glauben, über eine gute Akzeptanz in der Bevölkerung, obwohl ihre Wirtschaftspolitik - ganz im Sinne der EU -schmerzliche Reformen des Sozial- und Förderungssystems bringt. Nach sieben Monaten europäischer Sanktionspolitik und nach dem Sanktionsende am 12. September 2000 geht die Dokumentation den Kernfragen nach, die das Verhältnis der Österreicher zur EU prägen:
Ist Österreich wie 1918, 1938 und 1945 ein Spielball der Großmächte? Sind die Sanktionen gegen Österreich im Kern eine Warnung an Deutschland? Bewirkt die neue Regierungskoalition auch ein neues Verhältnis zu Europa? Welchen Beitrag kann Österreich zur Demokratisierung der EU leisten? Welche Rolle will und kann Österreich bei der EU-Osterweiterung spielen?
Auf einer Reportage-Reise quer durch Österreich werden die Schnittstellen des Verhältnisses Österreich-Europa aufgesucht. Um ein facettenreiches Bild abseits von politischem Geplänkel zu erhalten, werden Regionen und Menschen besucht, die Österreich immer als Teil Europas gesehen haben, die als Unternehmer die Chancen der EU genutzt haben, die eine Osterweiterung schon praktizieren, obwohl sie noch lange nicht verwirklicht ist.
Österreicher und Europäer - ein dokumentarisches Roadmovie durch eine aktuelle und historische Beziehungsgeschichte.

Donnerstag, 26. Oktober, 22.50 Uhr, ORF 1
Europa und die österreichische Herausforderung
Das Verhältnis der EU und der österreichischen Regierung normalisiert sich, nachdem die französische Ratspräsidentschaft die Sanktionen für beendet erklärt hat. Und jetzt? Alles wie gehabt? Welche Lehren können aus den Differenzen des letzten Jahres gezogen werden? Was nun, Europa? Dieser und anderen Fragen ist Michel Dumont dieser ARTE-Produktion nachgegangen.
Die widersprüchlichen Reaktionen der EU gegenüber der neuen österreichischen Regierung zeigten, wie wenig Europa auf die neue Situation vorbereitet war. Angesichts der institutionellen und der wirtschaftlichen Probleme war die Frage nach dem Demokratieverständnis innerhalb der Gemeinschaft in den Hintergrund gerückt worden.
Wie reagierte die EU nach der Regierungsbildung in Wien? Wie reagierte die europäische Öffentlichkeit? Im ersten Teil der Dokumentation wird das komplizierte und widersprüchliche Zusammenspiel von Aktionen und Sanktionen aus Europa untersucht. Während Frankreich oder Belgien auf die Barrikaden gingen und das Verhältnis zu Wien grundsätzlich in Frage stellten, waren zum Beispiel die skandinavischen Länder differenzierter in ihrem Urteil. In Deutschland gingen die Meinungen auseinander: CSU und CDU hielten die Sanktionen für unangemessen, die Bundesregierung stimmte aus "Solidarität zu den europäischen Partnern" (Fischer) in den Chor der 14 mit ein.
Im zweiten Teil des Films wird eine vorläufige Bilanz der Sanktionen und des angespannten Verhältnisses zwischen Österreich und Europa gezogen. Waren die Sanktionen die richtige Reaktion auf die Regierungsbeteiligung der FPÖ oder waren sie eher kontraproduktiv? Die drei sogenannten "Weisen", der finnische Alt-Präsident Martti Ahtisaari, der spanische Ex-Außenminister Marcelino Oreja und der deutsche Verfassungsrechtler Jochen Frowein nahmen die Demokratie in der Alpenrepublik unter die Lupe und beurteilten die "politische Natur" der FPÖ. Deren Bericht war für die Aufhebung der Sanktionen entscheidend.
Die überwiegend ablehnende Reaktion der 14 EU-Länder gegenüber Österreich hatte unterschiedliche Beweggründe. Besonders schwer wog die Angst, dass sich in Europa rechtsradikale Positionen durchsetzen und regierungsfähig werden. Der Film untersucht abschließend die Bemühungen um eine europaweite Wertegemeinschaft und die Gefahren eines Rechtsrutsches in anderen Ländern der EU: In Belgien, wo der Vlaams Blok bei den Kommunalwahlen am 8. Oktober Stimmengewinne verbuchen konnte, und in Italien, wo Medienmogul Berlusconi mit der separatistischen Lega Nord und den ehemaligen Faschisten der Nationalen Allianz koalieren will.

Donnerstag, 26. Oktober. 22.40 Uhr (Teil 1) und 23.45 Uhr (Teil 2), ORF 2
Diskussion zum Themenabend "Österreich zurück aus dem Abseits" Eine hochkarätig besetzte Gesprächsrunde diskutiert unter der Leitung von Barbara Rett (ORF) und Hervé Claude (ARTE) in Wien über die aktuelle politische Lage in Österreich und Europa. Unter den Teilnehmern: Prof. Paul Lendvai.

Donnerstag, 26. Oktober, 0.25 Uhr, ORF 2
Welcome in Vienna
Mit einer Einheit für psychologische Kriegsführung der amerikanischen Armee kommt der österreichische Emigrant Freddy Wolff nach Europa zurück. Er erfährt manche Enttäuschung und macht sich auf den langen Weg der Identitätsstiftung in einer neuen Situation. Der auf der Grundlage der Erinnerungen des Fernsehjournalisten und Filmemachers Georg Stefan Troller als letzter Teil der Trilogie "Wohin und zurück" entstandene Film von Axel Corti aus dem Jahr 1985 ist ein differenzierter und facettenreicher Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung in Österreich und zur Problematik der Rückkehr aus dem Exil. In den Hauptrollen sind Gabriel Barylli (Freddy Wolff), Nicolas Brieger (Adler), Claudia Messner (Claudia), Karlheinz Hackl (Treschensky) und Joachim Kemmer (Binder) u. a. zu sehen.
Der letzte Teil der Trilogie beginnt im Winter 1944. Freddy Wolffs Division kämpft im Elsass. Er vernimmt deutsche Gefangene und Überläufer. Einer von ihnen ist der alerte Wiener Treschensky, in dem Freddy Wolff einen alten Bekannten wiederentdeckt. Nicht zum ersten Mal macht sich Freddy Gedanken über seine "Heimkehr". Am Tag der Kapitulation verliebt er sich in die Krankenschwester und angehende Schauspielerin Claudia aus Wien, die Tochter eines Abwehrmajors. Sie kehrt nach Wien zurück, und Freddy begegnet ihr dort wieder. Die vom Krieg ramponierte alte Kaiserstadt schickt sich an, den Schutt wegzuräumen, den Hitler hinterlassen hat. Wieder hat Freddy einen schweren Stand inmitten seiner Kameraden, den gefeierten und vielbegehrten Besatzungssoldaten, und in dem bunten Gemisch einstiger Heilrufer, Egoisten, Optimisten, Idealisten und Schieber. Auch Treschensky, der Anpassungsakrobat, ist wieder obenauf. Als Claudia sich für seinen Freund Adler entscheidet, will Freddy wieder nach Amerika zurück. Doch nach wenigen hundert Metern klettert er schon aus dem Armeefahrzeug. Er bleibt unentschieden ...

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