"Neue Zeit" Kommentar: "Vorsicht" (von Josef Riedler)

Ausgabe vom 11. 10. 2000

Graz (OTS) - Die Ergebnisse der Meinungsforschung muss man immer vorsichtig betrachten. Als Orientierungshilfe, wenn man nicht auf den letzten Prozentpunkt schaut, können aber Umfrageergebnisse zur Kontrolle der eigenen Einschätzung dienen.

Fünf Tage vor der steirischen Landtagswahl schauen diese Prophezeiungen so aus: Die ÖVP wird knapp über vierzig Prozent liegen, die SPÖ deutliche über dreißig, die FPÖ deutlich unter zwanzig, die Grünen unter zehn Prozent und alle anderen Parteien werden auf der neuen politischen Landkarte nicht zu finden sein. Das klingt einigermassen plausibel. Die SPÖ kann diesmal nicht wie 1995 von einer gleichzeitigen Nationalratswahl profitieren, die steirische VP wird von der Bundes-ÖVP nicht, wie 1995, in die Tiefe gerissen. Und von der FPÖ konnte man weder unter Michael Schmid noch unter Magda Jost-Bleckmann noch unter Frau Zierler den großen Sprung nach vorn erwarten.

Also eine Landeswahl wie jede andere? Im Prinzip ja. Nur die Schlussfolgerungen aus einem solchen Ergebnis werden in Wien anders ausschauen: Es ist kein Zufall, dass in der Wiener ÖVP-Zentrale von einer "Testwahl" geredet wird. Ohne jeden Genierer wird ein Erfolg der steirischen ÖVP - auch wenn er nur geänderten Voraussetzungen und einer sympathischen Landeshauptfrau zuzuschreiben ist - als Erfolg und - noch schlimmer - als Bestätigung der FPÖ-ÖVP-Regierungspolitik in Wien ausgeschlachtet werden. Vor diesem Mißbrauch seiner Stimme wird kein einziger steirischer VP-Wähler gefeit sein.

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