Kommentar über Facharbeit Keine Konjunktur ohne Fachkräfte von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Der läppische Streit um 1403 ausländische Facharbeiter mehr oder weniger vermag das brisante Qualitätsdefizit der österreichischen Wirtschaft nicht zu beheben. Er rührt den Wiener Wahlkampf auf, hilft aber nicht der Wirtschaft. Ihr fehlen nämlich Fachkräfte. Die jahrelange Konzentration der politischen Debatte allein auf die zu hohen Arbeitslosenziffern kaschierte die mangelhafte Ausbildung. Diese ist aber die Voraussetzung für Qualitätsarbeitsplätze. Etliche Unternehmer müssen sich an der eigenen Nase fassen, weil sie dank personeller Miniprogramme und kostensparender Rotation billiger Anlernlinge ganz vergassen, an eine bessere Konjunktur zu denken und nötige Expansionsschübe personell abzusichern. Das rächt sich. Wenn gesagt wird, dass im Autocluster-Land Steiermark kein weiteres Autowerk mehr Platz hätte, weil die Leute fehlen, so muss diese Behauptung schon aus methodischen Gründen angezweifelt werden. Das hiesse nämlich, die Immobilität österreichischer Arbeitskräfte für ewig festzuschreiben und den Zuzug nicht-österreichischer Arbeitskräfte schon wegen heimischer Bürokratismen als unmöglich zu erklären. Wirklich kritisch ist die Lage in der Informationstechnologie. Der Industriellenchef Lorenz Fritz liegt richtig, wenn er die Alternative aufzeigt:
Entweder man ruft ausländische Spitzenleute zu Hilfe, oder die Jobs wandern ins Ausland ab. Die plötzlich spürbare Personalknappheit erlaubt endlich eine Diskussion über ein typisch österreichisches Sozialkuriosum: Das Gesetz stellt behinderte Arbeitnehmer unter Kündigungsschutz - und bewirkt dadurch, dass Behinderte überhaupt nicht eingestellt werden. Nun würden gerade im IT-Bereich körperlich Behinderte gute, manchmal sogar geniale Arbeit leisten können. Der Physiker Stephen Hawking ist ein Extrembeispiel dafür. Der signifikante Fachkräftemangel zwingt zu Schnellreparaturen. Die Wurzel des Übels liegt aber tief und wird nur langsam zu beseitigen sein: Schüler, Lehrer und Politiker leiden, ohne es zu wissen, an einem wirtschaftsfeindlichen Ausbildungsdefizit. Das Übel begann mit der Zerschlagung der guten Hauptschule durch lebensferne Experimentalpädagogen, setzte sich über die Abwertung manueller Arbeit in der Gesellschaft fort und endet jetzt beim Personalnotstand in vielen Unternehmen. (Schluss) was

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