"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ohnmacht" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 11.10.2000

Graz (OTS) - Alle Proteste und Blockaden, Briefe und
Interventionen haben den Gang der Dinge nicht aufhalten können. Im Atommeiler Temelin wurde mit der Aktivierung der Brennstäbe begonnen. Damit wurde eine Schwelle überschritten, von der es kein Zurück mehr geben wird.

Die Inbetriebnahme wurde wie ein Staatsakt zelebriert. Der Regierungschef war aus Prag nach Südböhmen gereist, um persönlich das Stoffband zum Steuerungsraum zu durchschneiden.

Das war eine genau gezielte Geste. Wer so demonstrativ auf den Startknopf drückt, signalisiert, wie sicher er sich fühlt. Dass sich die Nachbarn jenseits der Grenze unsicher fühlen, wird weg gewischt. Man hört sie nicht einmal an. Tschechien wollte uns unsere Ohnmacht vor Augen führen.

Österreich steht in der Atomfrage nicht erst seit den Sanktionen der EU-14 isoliert da. Die Drohung, dem Energiekapitel in den Beitrittsverhandlungen nicht zuzustimmen, ist gar keine Drohung, weil Österreich letztlich kein Veto gegen den Beitritt Tschechiens einlegen wird.

Aber diese Erkenntnis ist nicht neu. Die Parole vom "atomfreien Mitteleuropa" diente von Anfang nur dazu, innenpolitisches Kleingeld zu wechseln. ****

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