KfV mahnt: Mehr Mut zur Langsamkeit

Wien (OTS) - Hauptunfallursache Geschwindigkeit: "Beschleunigung ohne Grenzen" Probleme, Konzepte, Visionen?, unter diesem Titel beleuchtet das Kuratorium für Verkehrssicherheit in einer Enquete das Phänomen Geschwindigkeit und seine Auswirkungen - von der Bestandsaufnahme bis zu Lösungsansätzen für eine sicher Zukunft auf Österreichs Straßen.

Nicht angepaßte Geschwindigkeit ist nach wie vor Unfallursache Nummer 1 auf Österreichs Straßen. "Jährlich gehen rund 40 Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle auf das Konto von Fahrern, die zu schnell unterwegs sind", erklärt Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratorium für Verkehrssicherheit. 411 Menschen wurden allein im Vorjahr bei Unfällen getötet, die auf nicht angepaßte Geschwindigkeit zurückzuführen sind. Für das heurige Jahr (Jänner bis September) scheinen in der Unfallstatistik des Innenministeriums bereits 666 Verkehrsunfälle (vorläufige Zahlen) mit tödlichem Ausgang auf. In 245 Fällen war nicht angepaßte Geschwindigkeit die Unfallursache.

Geschwindigkeitsrausch im Ortsgebiet

Beinahe zwei Drittel aller Unfälle mit Personenschaden ereignen sich im Ortsgebiet. Kein Wunder: Geschwindigkeitsmessungen des Kuratorium für Verkehrssicherheit zeigten, daß sich im Ortsgebiet bei Tempo 50 nur jeder zweite Fahrzeuglenker (= 45 Prozent) an die zulässige Höchstgeschwindigkeit hält - an Tempo 30 hält sich gar nur jeder Vierte (= 23 Prozent). Auf Unfälle im Ortsgebiet entfallen 60 Prozent aller Verletzten. Vor allem die schwächsten Verkehrsteilnehmer sind häufig die Leidtragenden, ihr Anteil an allen im Ortsgebiet Verunglückten beträgt 30 Prozent.

Gerade bei den Fußgängerunfällen, 1999 waren es 4570, zeigt sich der Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit und Verletzungsschwere deutlich. Studien belegen, daß das Todesrisiko von Fußgängern bei 50 km/h mehr als doppelt so hoch ist als bei Tempo 30.

Tempobolzer auf der Autobahn

1999 starben 819 Menschen - das sind drei Viertel aller Verkehrstoten - im Freiland- bzw. Autobahnbereich. Hier rasen vor allem die Berufsfahrer: Drei von vier Lenkern (= 73 Prozent) halten sich nicht an die zulässige Höchstgeschwindigkeit! Unfälle mit Lkw-Beteiligung haben meist schwerwiegende Folgen: Während sich von den beteiligten Lkw-Lenkern "nur" 27 Prozent verletzten, werden zwei von drei Lenkern anderer Fahrzeuge verletzt oder getötet. Die Wahrscheinlichkeit bei einem Lkw-Unfall auf der Autobahn getötet zu werden, ist mit sechs Prozent deutlich höher als bei einem Autobahnunfall ohne Lkw-Beteiligung (= drei Prozent).

Alarmierender Trend: Seit 1990 haben Unfälle mit Lkw-Beteiligung um 40 Prozent zugenommen.

"Trotz der erschütternden Zahlen scheint die Nichtbeachtung von Tempolimits für viele Lenker immer noch ein Kavaliersdelikt zu sein. Fahrer, deren Verantwortungsbewußtsein im Geschwindigkeitsrausch untergeht, sind eine Gefahr für alle", sagt Dr. Othmar Thann.

Beschleunigung ohne Grenzen? Probleme, Konzepte, Visionen

Im Rahmen dieser Enquete wurde erstmals versucht über den Bereich der Verkehrssicherheit hinaus, das Thema Geschwindigkeit und seine Auswirkungen auf alle gesellschaftlichen Lebensbereiche zu beleuchten. In diesem Zusammenhang stellt Dr. Othmar Hill, Präsident von Hill International - Human Resources Consulting Group, fest: "Wir leben in rasenden Gesellschaften, kaum ein Lebensbereich bleibt von den rasanten Entwicklungen unserer Zeit verschont - auch nicht unser Leben im Straßenverkehr. Angesichts der jährlichen Unfallbilanz wäre es angebracht, gerade in diesem Bereich dem Sinn der Langsamkeit einen neuen Stellenwert zu verschaffen."

Daß ein paar km/h mehr ein paar Minuten weniger sind, diese Gleichung geht leider oft nicht auf. "Eine Zeiteinsparung wäre nur mit einer halsbrecherischen Geschwindigkeit über weite Strecken zu erreichen und steht dem mit steigendem Tempo exorbitant wachsendem Unfallrisiko gegenüber", ergänzt Dr. Othmar Thann.

Major Friedrich Schmidhuber, Leiter der Verkehrsabteilung beim Landesgendarmeriekommando Salzburg tritt für eine Senkung des allgemeinen Geschwindigkeitsniveaus und ein Überdenken der Toleranzgrenzen ein. "Die derzeitige Praxis der Toleranzgrenzen sendet kontraproduktive Signale an die Verkehrsteilnehmer. Wenn wir uns zu einer strikteren Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzungen durchringen könnten, hätte dies positive Auswirkungen auf das allgemeine Geschwindigkeitsniveau und damit auf die Unfallzahlen", erklärt Schmidhuber.

Auch Dr. Horst Schulze, Leiter des verkehrspsychologischen Referats "Einstellung und Verhalten" der deutschen Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast) bestätigt den Einfluß der Geschwindigkeit auf die Unfallhäufigkeit und vor allem auf die Unfallfolgen. "Neue Fahrassistenz- und Informationssysteme können potentielle Sicherheitsbeiträge im Hinblick auf die Beeinflussung des Geschwindigkeitsverhaltens sein", erklärt Schulze. Dieser Bereich geht von Navigationshilfen über Wechselverkehrszeichen bis hin zu automatischen Geschwindigkeits- und Abstandsregulatoren im Fahrzeug.

Angesichts der dramatischen Unfallzahlen fordert Dr. Thann erneut ein nationales Verkehrssicherheitsprogramm, um das bereits 1998 gesetzte Ziel von weniger als 600 Verkehrstoten bis zum Jahr 2005 zu erreichen. "Vordringliche Maßnahmen, die auch sofort umgesetzt werden könnten, sind der Punkteführerschein und die Erhöhung der Mindeststrafen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen", erklärt Dr. Thann.

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