"Neue Zeit" Kommentar: "Restitution" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 10. 10. 2000

Graz (OTS) - Erstmals seit 32 Jahren wird es am morgigen Mittwoch massive Studentenproteste auf den Straßen in ganz Österreich geben. Damals waren die Gründe gesellschaftspolitisch motiviert. Von Nazi-Professoren an den Universitäten bis zu verzopften, undemokratischen, nahezu noch totalitären Verhältnissen reichten die Zustände, die die 68er-Studenten aufzubrechen gedachten. Das ist ihnen weitgehend gelungen - bis in diese Tage.

Wenn die Studierenden Österreichs morgen wieder in Massen auf die Straße gehen werden, gilt ihr Protest einer für viele existenzbedrohenden Belastung durch die geplante Studiengebühr. Dass die Bedrohung allerdings nicht ausschließlich eine finanzielle ist, wissen die jungen Menschen sehr wohl. Daher richtet sich ihr Protest auch gegen die Wiedereinführung der vor 30 Jahren aufgebrochenen Strukturen. Es gilt sozusagen der Gegenreformation im Bildungsbereich Einhalt zu gebieten.

Der Protest richtet sich gegen die Abschaffung des freien Zuganges zur Bildung, gegen die Einführung eines sozialen Numerus clausus. Er richtet sich gegen die Restitution einer Gesellschaft der Eliten im Bildungsbereich.

Da nützt keine noch so gut gemeinte oder pragmatisch vorgeschobene "Abfederung". Es geht einzig darum, ob der Zugang zu Bildung von Begabung und Interesse abhängt, oder von Einkommen, bestenfalls Almosen.

Die Studierenden spüren, dass es nicht um eine budgetpolitische, sondern in höchstem Maß gesellschaftspolitische Frage geht.

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