Kommentar über die Telekom

Viel Glück, Telekom Austria! von Arno Maierbrugger

Wien (OTS) - Der Börsegang der Telekom Austria wird wie geplant stattfinden. Zumindest nach derzeitigem Stand tönt es gleichmassen trotzig aus der ÖIAG-Zentrale wie aus der Telekom-Chefetage am Wiener Schwarzenbergplatz: "Wir ziehen das jetzt durch!" Recht haben sie. Alles andere wäre peinlich. Den Börsegang jetzt zu verschieben und die treuherzigen Noch-nicht-Aktionäre auf ihren putzigen Telekom-Tickets sitzen zu lassen, wäre eine Pleite sondergleichen. Immerhin kostet die grösste Werbetrommelei in der Geschichte des ehemaligen Staatmonopols satte 300 Millionen Schilling und hat laut Telekom immerhin schon so etwas wie eine positive Grundstimmung zum Börsegang erzeugt. Das vor allem den jungen Österreichern neue Vokabel "Volksaktie" ist in aller Munde. Allerdings ist die beste und teuerste Werbung machtlos, wenn sich höhere Gewalt in Form der Launen des Finanzmarktes entgegenstellt. Das derzeitige Börseklima spricht, ganz nüchtern betrachtet, tatsächlich gegen einen Börsegang der Telekom Austria im November. Dieser Meinung schliessen sich auch immer mehr Analysten an. Andererseits wäre ein weiteres Hinausschieben fatal, weil der Börsegang überfällig ist und laut Privatisierungsgesetz eigentlich schon längst stattgefunden haben sollte. Hier kumulieren sich die Versäumnisse, die noch aus der Ära von Generaldirektor Werner Kasztler stammen: Wäre damals die Neupositionierung der Telekom geglückt, notierte sie jetzt vielleicht schon an der Börse und hätte die Telekom-Hausse in Europa in vollen Zügen geniessen können. Am allerwenigsten kann man daher die derzeitige Situation dem Telekom-Boss Heinz Sundt anlasten. Er hat den Gewaltakt der Börsevorbereitung kompromisslos durchgezogen. Dass ihm jetzt das Börseklima einen Strich durch die Rechnung macht, dürfte den gevieften Manager nur noch mehr reizen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es die Telekom im November daher so billig geben, dass weder die Kleinanlager noch die Investmentfonds wirklich Nein sagen können, aber auch nicht so billig, dass eine Abschlagszahlung an den Vierteleigentümer Telecom Italia fällig wird. Dazu käme es, wenn der Ausgabekurs zwölf Euro unterschreitet. Dann wäre nämlich das Fiasko perfekt: Börsegang abgeblasen, Werbung umsonst, Finanzplatz Wien mausetot. (Schluss) amb

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