OeNB - Die österreichische Zahlungsbilanz im 1. Halbjahr 2000

Transaktionsbilanz

Wien (OTS) - Die österreichische Leistungsbilanz auf Transaktionsbasis zeigte im 1. Halbjahr 2000 mit
-2,92 Mrd. Euro (- 40 Mrd. S) ein um 1,04 Mrd. Euro
(rd.14 Mrd. S) höheres Defizit als im Vergleichszeitraum 1999. (Anders als die monatlichen Cash-Bilanzen, die Zahlungsströme messen, enthält die Transaktionsbilanz neben anderen
konzeptionell bedingten Abgrenzungen die periodengerechte
Zuordnung der zahlungsbilanzrelevanten Vorgänge (z.B. in der Einkommensbilanz auch die noch nicht vereinnahmten Zinsen) und
ist daher mit ersterer nicht direkt vergleichbar.). Der Anstieg
des Defizits resultierte im Wesentlichen aus der Saldendrehung
der Teilbilanz Güter und Dienstleistungen von einem Überschuss
von +0,46 Mrd. Euro in ein Defizit von -0,67 Mrd. Euro. Die monatlichen - aus den Cash-Bilanzen stammenden -
Erstinformationen (Presseaussendung Cashbilanz Jänner bis Juni
2000 vom 21.8.2000 (siehe Homepage der OeNB://www.oenb.co.at)) hatten für die ersten sechs Monate d. J. schon diese Ergebnisverschlechterung angezeigt.
Wenig Veränderungen ergaben sich in den Teilbilanzen Einkommen
und Laufende Transfers, die beide im Vergleich zum 1. Halbjahr
1999 etwas günstigere Ergebnisse erbrachten.

Güter- und Dienstleistungsimporte wuchsen im Berichts-
zeitraum mit einer Zunahme um 6,13 Mrd. Euro noch stärker als Güter- und Dienstleistungsexporte, deren Wachstum um
5,00 Mrd. Euro allerdings auch außerordentlich hoch war.
Generell ist diese Entwicklung auf die spürbare
Konjunkturbelebung Österreichs und seiner Haupthandelspartner zurückzuführen, die Importe wurden zusätzlich durch den Kursanstieg des USD sowie die höheren Rohölpreise nach oben getrieben.

Ebenso zeigen die von der EZB für den gesamten Euroraum veröffentlichten Daten für Güter und Dienstleistungen des
1. Halbjahres 2000 ein deutlich höheres Wachstum der Importe
als der Exporte, sodass sich der Überschuss dieser Teilbilanz
im Vergleich zum 1. Halbjahr 1999 um 23,5 Mrd Euro auf
19,9 Mrd Euro verringerte.

EUROSTAT weist für die Europäische Union für das 1. Halbjahr 2000 bei den Warenimporten aus Drittstaaten mit +31% eine
deutliche höhere Zuwachsrate als bei Warenexporten (+23%;
jeweils 1. Halbjahr 2000 gegenüber dem Vorjahresvergleichs-zeitraum) aus.

Die für Österreich wichtige Teilkomponente Reiseverkehr leistete im Berichtszeitraum einen negativen Beitrag zur
Entwicklung der Leistungsbilanz. Einer 6%-igen Zuwachsrate der Reiseverkehrseinnahmen stand ein Wachstum der
Reiseverkehrsausgaben in Höhe von rund 15% gegenüber, sodass
sich der positive Saldo um 0,22 Mrd Euro verringerte.

Das im Vorjahr stark angewachsene Defizit in der Teilbilanz Einkommen reduzierte sich im Berichtszeitraum um 0,04 Mrd. Euro
auf - 1,31 Mrd. Euro. Stärkste Einflussgrößen für die heurige Entwicklung waren einerseits die niedrigeren Nettozuflüsse der Einkommen aus Sonstigen Investitionen und andererseits die geringeren Nettoabflüsse der Einkommen aus Portfolio-investitionen. In diesem leicht verbesserten Ergebnis der Vermögenseinkommen aus Portfolioinvestitionen wird der 1999 erfolgte starke Aufbau der inländischen Portefeuilles mit ausländischen Wertpapieren wirksam: Die Einkommen der
inländischen Investoren aus diesem Titel betrugen im Berichtszeitraum 2,15 Mrd. Euro nach 1,49 Mrd. Euro im Vergleichszeitraum 1999. Gleichzeitig verzeichneten aber auch
die sich aus dem guten Absatz österreichischer Wertpapiere im Ausland ergebenden Wertpapiereinkünfte ausländischer Anleger
einen starken Anstieg (von 2,84 Mrd. Euro im Vergleichszeitraum
1999 auf 3,43 Mrd. Euro).

Der negative Saldo aus laufenden Transfers war mit
-0,94 Mrd. Euro ebenfalls etwas niedriger als im 1. Halbjahr
1999, zum Großteil erklärbar durch geringere Nettoabflüsse aus privaten Transfers.

Die Vermögensübertragungen zeigten einen Nettowert in Höhe
von - 0,19 Mrd. Euro gegenüber - 0,12 Mrd. Euro im 1. Halbjahr 1999.

In der Kapitalbilanz war die Saldendrehung bei Portfolioinvestitionen die auffallendste Entwicklung: Im
Gegensatz zum Vergleichszeitraum 1999 wurden wesentlich mehr inländische Wertpapiere im Ausland abgesetzt als ausländische Wertpapiere von inländischen Investoren angekauft.

Der Saldo der Portfolioinvestitionen ergab im 1. Halbjahr
2000 Nettokapitalzuflüsse von 2,85 Mrd. Euro gegenüber Nettokapitalabflüssen von 3,16 Mrd. Euro im Vergleichszeitraum 1999. Ausländische Anleger erwarben mit +18,50 Mrd. Euro ein um 5,41 Mrd. Euro höheres Volumen an inländischen Wertpapieren als
im 1. Halbjahr 1999. Insbesondere wurden wesentlich mehr österreichische Rentenwertpapiere erworben; auch das
vergrößerte österreichische Angebot an Commercial Papers und Treasury Bills wurde in hohem Ausmaß aufgenommen.

Dem standen geringere Kapitalabflüsse aus dem Erwerb von ausländischen Wertpapieren durch inländische Anleger gegenüber, und zwar 15,65 Mrd. Euro im Berichtszeitraum im Vergleich zu
16,25 Mrd. Euro im 1. Halbjahr 1999. Während die Käufe von ausländischen Anteilspapieren und Geldmarktpapieren durch österreichische Anleger äußerst stark anstiegen, war das Interesse für ausländische langfristige festverzinsliche Wertpapiere vergleichsweise schwach.

Der Nettozufluss ausländischer Direktinvestitionen in Österreich verringerte sich um 0,55 Mrd. Euro auf
1,27 Mrd. Euro; der Nettoabfluss aus österreichischen Direktinvestitionen im Ausland lag mit 1,10 Mrd. Euro ebenfalls etwas unter dem Vorjahresniveau.

Die sonstigen Investitionen ergaben im 1. Halbjahr 2000
einen Nettokapitalimport in Höhe von 0,41 Mrd. Euro gegenüber
2,14 Mrd. Euro im Vergleichszeitraum 1999. Bei weiterhin
generell sehr hohen Umsätzen beeinflussten insbesondere die verstärkten Kreditvergaben österreichischer Banken an das
Ausland das Ergebnis.

Eine ausführlichere Beschreibung der Entwicklung der österreichischen Zahlungsbilanz im 1. Halbjahr 2000 wird in "Berichte und Studien 4/2000" publiziert.

Quartalsweise Transaktionenbilanz
1. Halbjahr
2000 1999
Credit Debet Netto Credit Debet Netto
in Mrd Euro

LEISTUNGSBILANZ ............ 54,8 57,7 -2,9 48,4 50,3 -1,9

Güter .................... 33,7 34,6 -0,8 28,9 30,7 -1,8 Dienstleistungen ......... 13,7 13,6 0,1 13,6 11,3 2,3 Reiseverkehr ........... 5,7 4,2 1,4 5,3 3,7 1,7 Andere Dienstleistungs-
positionen ............. 8,1 9,4 -1,3 8,3 7,6 0,6 hievon:
NAL .................. 1,7 4,3 -2,6 2,4 3,0 -0,6 Transport ............ 2,2 1,5 0,7 1,9 1,3 0,6 Personentransport .. 0,8 0,4 0,3 0,7 0,3 0,3 Bauleistungen ........ 0,2 0,1 0,1 0,3 0,1 0,1 Finanzdienstleistungen 0,7 0,6 0,0 0,4 0,4 0,0 Patente und Lizenzen . 0,1 0,2 -0,2 0,1 0,3 -0,3 Sonstige unternehmens-
bezogene DL .......... 2,2 1,7 0,5 2,2 1,7 0,6 Transithandelsertr. . 0,5 0 0,5 0,5 0,0 0,5 Restl.Dienstleistungen 1,0 0,9 0,1 1,0 0,9 0,1 Einkommen .............. 5,9 7,2 -1,3 4,6 6,0 -1,3 Laufende Transfers ..... 1,4 2,4 -0,9 1,3 2,3 -1,0 ----------------------------------------------------------------- VERMÖGENSÜBERTRAGUNGEN
UND KAPITALBILANZ .......... 3,7 1,6 ----------------------------------------------------------------- Vermögensübertragungen ..... 0,2 0,4 -0,2 0,2 0,3 -0,1 Kapitalbilanz .............. 3,9 1,7

Direktinvestitionen ...... 0,2 0,6
im Ausland ............. 1,0 2,1 -1,1 2,0 3,2 -1,2
in Österreich .......... 2,0 0,7 1,3 3,1 1,3 1,8 Portfolioinvestitionen ... 2,9 -3,2 ausländische Wertpapiere -15,7 -16,2 österr. Wertpapiere .... 18,5 13,1 Sonstige Investitionen ... 0,4 2,1 Forderungen ............ -6,1 -4,6 Verpflichtungen ........ 6,5 6,7 Finanzderivate ........... 0,2 0,1 Forderungen ............ 0,0 0,0 Verpflichtungen ........ 0,2 0,1 Offiz.Währungsreserven 1). 0,3 1,9 ----------------------------------------------------------------- Statistische Differenz ..... -0,8 0,3 -----------------------------------------------------------------
1) Zunahme: -; Abnahme:+.
Rundungen können Rechnungsdifferenzen ergeben

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Sekretariat des Direktoriums /
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.Nr.: (1) 404 20 DW 6666
http://www.oenb.at

Oesterreichische Nationalbank

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | ONB/ONB