"profil": Klestil: "Unverständnis" über Nichteinladung zu Wiedervereinigungsfeier

Bundespräsident Klestil startet Kooperation mit deutschem Amtskollegen Rau - Beziehungen zu Deutschland verbessern -Osterweiterung kann Österreich neue EU-Partner bringen

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" fordert Bundespräsident Thomas Klestil eine Intensivierung der bilateralen Beziehungen Österreichs mit den Nachbarstaaten und den EU-Partnern. Nach der Aufhebung der Sanktionen sollten Probleme "offen und in konstruktiver Weise angesprochen werden, wie es eben unter Partnern oder in einer großen Familie üblich ist". Klestil kündigte Staatsbesuche der Präsidenten Ungarns und Sloweniens bis zum Jahresende an. Er selbst wird noch heuer zu offiziellen Besuchen nach Portugal, in die Slowakei und in die Schweiz fahren.

Bei der Eröffnung der Ausstellung "Karl V" im spanischen Toledo hat der Bundespräsident am vergangenen Donnerstag mit zahlreichen europäischen Spitzenpolitikern "konstruktive Gespräche" geführt. Klestil: "Die sehr herzlichen Begegnungen in Toledo haben mir gezeigt, dass wir auf dem richtigen Wege sind und das Eis gebrochen ist. Alle Gesprächspartner haben mir versichert, wie erleichtert sie über die Aufhebung der Maßnahmen sind".

Über die noch immer anhaltende Eiszeit in den Beziehungen zwischen den Regierungen in Wien und Berlin zeigte sich der Bundespräsident besorgt. Klestil zu "profil": "Mit meinem deutschen Amtskollegen Johannes Rau bin ich übereingekommen, dass die Beziehungen zwischen Österreich und Deutschland nicht so wie jetzt weiterlaufen dürfen. Rau und ich werden hier eng zusammenarbeiten."

Dass Österreich zu den Feiern zum zehnten Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung nicht eingeladen war, habe "allgemeines Unverständnis ausgelöst". Klestil: "Wir haben doch einen nicht unerheblichen Beitrag zur Wiedervereinigung geleistet. Ich selber habe 1989 als Generalsekretär im Außenamt mitbewirkt, dass tausende DDR-Flüchtlinge über Ungarn ohne Probleme durch Österreich geschleust wurden."

Zur Forderung Jörg Haiders, die Beitrittsverhandlungen im Rahmen der EU-Osterweiterung zu stoppen, bemerkte Klestil knapp, dass Vizekanzlerin Riess-Passer die Präambel zur Regierungserklärung mit dem Bekenntnis zur Osterweiterung unterschrieben habe. Klestil:
"Außerdem ist der Erweiterungsprozess bereits soweit fortgeschritten, dass er meines Erachtens unumkehrbar ist".

Die Erweiterung ist eine Chance für Österreich und für ganz Europa. Für mich ist es überhaupt keine Frage, dass sie kommen muss." Trotz mancher Probleme, "die wir mit den Nachbarn diskutieren müssen," würden für Österreich die Vorteile der Osterweiterung klar überwiegen. Obendrein könnte Österreich in einer erweiterten EU neue Partner gewinnen. "Denn die anderen EU-Länder kooperieren in Gruppen Ð die nordischen, die mditerranen oder die Beneluzx-Staaten bis zur Achse Deutschland-Frankreich. Österreich kann als Förderer eines raschen Beitritts der Nachbarn eine wichtige Rolle spielen."

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