Die Medien - Auslöser von Essstörungen?

Innsbruck (OTS) - Essstörungen nehmen in den industrialisierten Ländern zu und sind besonders für junge Mädchen und Frauen ein ernstes Gesundheitsproblem. Neueste Studien zeigen, dass bestimmte Formen der Werbung und die Massenmedien (Zeitschriften, TV) an der Zunahme von Essstörungen mitbeteiligt sind. Medien sind zu einer der wichtigsten Informationsquellen speziell von Jugendlichen geworden. Sie vermitteln, wie man auszusehen hat, was man trägt, wie man sein sollte, was gesund ist. Idole dienen der Identifikation und werden nachgeahmt. "Dünn-sein" wird allerorts gepredigt, neuerdings auch zunehmend für das männliche Geschlecht. Der häufige Einsatz von extrem dünnen Models oder die fortwährende Gleichsetzung "Dünn-Sein = Erfolg im Leben haben" geht an der Psyche vor allem von jungen Menschen nicht spurlos vorbei. Damit werden Schönheitsbilder und Rollenerwartungen geprägt. Außerdem wird jedes Übergewicht zur Krankheit gemacht und abgewertet.

Die Rolle der Medien ist ein Hauptthema des kommenden Kongresses "Essstörungen 2000" (12.-14. Oktober 2000, Congress Centrum Alpbach, Tirol). Werbung und Medien sind sicher nicht die einzige Ursache für die zunehmende Häufigkeit von Essstörungen. Studien haben allerdings gezeigt, dass der Medieneffekt abhängig ist von der Dosis: Je mehr magere Models und andere Vorbilder, je mehr "neueste" Diäten, desto stärker die Wirkung! Die wichtigsten Medieneffekte dürften indirekt sein: Sie erzeugen ein Klima, unter Gleichaltrigen, Freunden und Freundinnen, Bekannten, in der Familie, dem man sich schwerlich entziehen kann. Außerdem ist die heutige Elterngeneration mit dem Schlankheitsideal großgeworden; es besteht die Gefahr, dass dieses an die Kinder und Jugendlichen weitergegeben wird.

Dabei ist die Darstellung in der Werbung und in den Massenmedien widersprüchlich: Einerseits wird der Schlankheitskult propagiert, andererseits für den Kauf von Nahrungsmitteln geworben: für angeblich schlankmachende, aber auch für dickmachendes Fast/Junk-Food. Dies spiegelt das Dilemma von Hunger und Heißhungeranfällen bei Essstörungen wieder. Während die Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas ( Fettsucht ) in der Bevölkerung in allen industrialisierten Ländern zunimmt, wird das Idealbild, das in den Medien verkauft wird, immer dünner. Die Schere zwischen Ideal und Wirklichkeit wird immer größer, niemand kann das Ideal ohne Gesundheitsgefährdung erreichen. Vielleicht liegt ein Hauptgrund für diese Idealbilder darin, die Menschen in Abhängigkeit zu halten.

Es ist deshalb größtes Augenmerk darauf zu richten, welche Botschaften von den Medien vermittelt werden. Die Massenmedien könnten einen positiven Beitrag zu Selbstachtung, Selbstwertgefühl und Gesundheitsförderung insbesondere bei Jugendlichen leisten, wie die Britische Ärztegesellschaft zu Recht feststellt.

Die Forderungen der Fachleute an die Verantwortlichen in den Medien:

- Diät ist die wichtigste "Einstiegsdroge" für Essstörungen. Diäthalten kann nicht der Alltag sein.

- Fördern Sie kein gnadenloses "Schlankheitsideal", das die Gesundheit gefährdet.

- Treten Sie der schädlichen Ansicht entgegen, "dünn = gesund" und eine Diät sei der Weg zu einem gesunden Gewicht. Fördern Sie stattdessen eine gesunde Ernährung und regelmäßige körperliche Betätigung, akzeptieren Sie die natürlichen Unterschiede in Körpergröße, Formen und Gewicht.

- Vermitteln Sie nicht länger die Botschaft, die äußere Erscheinung mache den Erfolg im Leben aus. Fördern Sie Kooperation und Solidarität statt Konkurrenz und Ausgrenzung.

- Präsentieren Sie nicht nur eine sehr beschränkte Zahl von Körperformen. Dies gefährdet die Selbstachtung und das Selbstbewußtsein besonders von jungen Menschen.

"Das Selbstbewußtsein sollte nicht von der Körperform abhängen. Junge Frauen und Männer sollten vielmehr viele unterschiedliche Beispiele von Körperformen, von sozialen Rollen und von Wegen zum Erfolg aus den Medien erfahren. Dies würde dem wirklichen Leben mehr entsprechen. Außerdem sollte die Entwicklung eines diesbezüglichen Kodex für Wirtschaft und Medien ernsthaft in Erwägung gezogen werden." erklärte Dr. Günther Rathner, der wissenschaftliche Leiter des Kongresses Essstörungen 2000.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Netzwerk Essstörungen
Mag. Elisabeth Grabner-Niel
Tel. 0512-57 60 26 oder 0664-65 10 697

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF/OTS