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Klagenfurt (OTS) - "Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Zeitenwende am Balkan=

Utl.: Ausgabe vom 7. Okt. 2000=

Die europäische Zeitenwende ist mit einer blutigen
und kriegerischen Verzögerung von mehr als zehn Jahren nun auch auf dem Balkan eingeleitet. Nach dem Widerstand der Solidarnosc in Polen, dem Fall der Berliner Mauer ist mit der Erstürmung des Belgrader Parlaments nun auch der Weg Jugoslawiens in Richtung Demokratie und Freiheit, der Weg in Richtung Europa offen. Doch in welcher Weise und mit welcher Geschwindigkeit er beschritten werden kann und wird, weiß heute niemand.
Der neue Präsident, Vojislav Kostnica, wird für Europa mit Sicherheit kein leichter Partner. Nicht nur, dass er selbst im serbischen Nationalismus verhaftet ist, er wird beim Ausbau seiner Macht zuallererst auf die Befindlichkeiten auf dem Balkan und erst lange danach auf die Wünsche Europas Rücksicht nehmen können. Und die Befindlichkeit in Jugoslawien gebietet sich trotz Umbruch noch immer und sicher noch lange, das NATO-Bombardement als Verbrechen zu verurteilen und Milosevic nicht an Den Haag auszuliefern.
Doch für Jugoslawien und ganz Europa ist entscheidend, dass Demokratie und Freiheit auch in Belgrad Einzug halten. Noch Montag sollen die Sanktionen aufgehoben werden und schon gestern standen die EU-Staaten Schlange, um in Belgrad ihre Wiederaufbau-Milliarden abzuliefern. Denn alle Freiheitslust erlahmt sehr schnell, wenn ihr die Perspektive fehlt. Europäisches Geld ist die eine Seite der Perspektive, doch die politische Zukunft des Vielvölkerraumes muss erst noch gezimmert werden. Diesmal friedlich. So hofft der Balkan, so hofft Europa.

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